Hätte es ohne Merkel keine Eurokrise gegeben?

Buchrezension: Adam Tooze: Crashed. Wie zehn Jahre Finanzkrise die Welt verändert haben.

Der britische Historiker Adam Tooze beschäftigt sich in seinem Buch „Crashed“ mit den Folgen der Finanzkrise von 2018. Die imposanten 700 Seiten geben dem Leser einen detaillierten Einblick darüber, wie das wirtschaftliche und politisches Handeln seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 zu den gesellschaftlichen Verhältnisse geführt haben, denen wir uns heute gegenübersehen.

Zunächst einmal geht Adam Tooze ausführlich auf die Entstehung der Wirtschafts- und Finanzkrise ein. Das erfordert fast zwangsläufig ein nicht geringes wirtschaftliches Vorwissen. Der Autor erklärt zwar stets selbst alle Begriffe, die er einführt. Dennoch wünscht man sich manchmal einen Index am Anfang oder Ende des Buches, weil man vor lauter CDS, GSE’s und ABCP’s schnell die Orientierung verliert und den jeweiligen Begriff doch gerne nochmal nachlesen möchte.

Zwei Methoden die Finanzkrise zu beheben:

Tooze stellt klar die zwei Methoden der Herangehensweise zur Lösung der Finanzkrise dies und jenseits des Atlantiks gegenüber:

Auf der einen Seite das entschlossene Handeln der Amerikaner, die mit der finanzpolitischen „Bazooka“ mit viel Geld die Krise abfederten, die Märkte stabilisierten und die Konjunktur förderten. Denn sie hatten aus der Erfahrung der Wirtschaftskrise von 1929 die richtigen Schlüsse gezogen.

Auf unserer Seite des Atlantiks problematisiert er das zögerliche Handeln der Europäer, das ständige „Durchwursteln“ von einer Krise in die nächste. Das dazu führte, dass selbst im Jahr 2018 die Eurokrise noch nicht ganz überwunden ist. Für Tooze ist die Eurokrise eine Folge der Finanzkrise. Denn eigentlich ist die Eurokrise keine Staatsschuldenkrise, sondern auch eine Finanzkrise. Schließlich ging es den europäischen Schwergewichten, Deutschland und Frankreich, bei der Rettung der von der Pleite gefährdeten Staaten, wie Tooze klar zeigt, vor allem darum, die eigenen Banken zu retten, die hoch verschuldeten Staaten wie Griechenland riesige Kredite gewährt hatten.

Merkel und Schäuble verhindern die Lösung der Krise

Die Schuld an der ungelösten Krise in Europa sieht Tooze zweifelsfrei bei den europäischen Konservativen. Besonders bei zwei Personen aus Deutschland: Angela Merkel und Wolfgang Schäuble.

Diese beiden hätten sich auch von der Stimmung im eigenen Land getrieben stets gegen einen mutigen Versuch die Krise zu lösen gestellt und immer wieder auf Konsolidierung und Sparpolitik gepocht.


Bestärkt wurden sie in ihrem Mantra von „Der schwarzen Null“ von einem regelrechten globalen Hype für die Senkung des Staatsschulden. Dieser Hype war damals von einem Aufsatz der Ökonomen Reinart und Rogoff ausgelöst worden, der die negativen Folgen einer zu großen Staatsverschuldung aufzeigten.

Im Glauben das richtige zu tun, zwangen die beiden Politiker in Schlüsselpositionen der deutschen Politik die anderen EU Staaten zu einer rigorosen Sparpolitik. Dabei mangelten es ihnen, wie Tooze deutlich machte an einem Verständnis dafür, wie sie die Menschen mit ihrer Politik in die Hände der Populisten trieben und Europa spalteten. Extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit in den südlichen Ländern der Eurozone und das Gefühl, dass ihnen das Spardiktat von den deutschen aufgezwungen wurde, lies den Nationalismus wachsen und schwächte den Glauben an die Europäische Union.

Populismus: Die Folge der Finanzkrise

Für Tooze ist der in Amerika und Europa entstandene Populismus eine klare Folge der Wirtschaftspolitik in der Finanzkrise.

In Amerika ist die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander gegangen. Viele in der Subprime Krise hoffnungslos überschuldete Menschen fühlen sich von der Regierung im Stich gelassen. Sie wenden sich ab von dem politischen Establishment und wenden sich den rechtsgerichteten Populisten der Marke Breitbart- News und Donald Trump zu.

In Europa entstand der Populismus Tooze zu Folge auf der rechten und linken Seite. Die Rechten rebellierten gegen die Krisenbekämpfung mit z.B. deutschen Steuergeldern, die Linken dagegen eine ganze Generation im Süden Europas der Hoffnung auf eine Zukunft zu berauben.

Der Autor spannt in seinem Buch das ganz große Panorama auf. Er zeigt auch, wie die Chinesen ähnlich wie ähnlich wie die Amerikaner quasi die „Bazooka“ rausholten, um die Folgen der Finanzkrise in ihrem Land in den Griff zu kriegen.

Adam Tooze gelingt ein äußerst interessantes und aufrüttelndes Buch, das aktueller nicht sein könnten und dem viele Leser zu wünschen sind.

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