Generalstabschef Franz Halder und  der militärische Widerstand

Der Rückgriff des deutschen Widerstands auf den „Walküre Befehl“ ergab sich zwangsläufig aus dem mangelnden Rückhalt seitens der militärischen Führer im Felde. Das Paradebeispiel für einen solchen Feldherrn war Franz Halder, der von 1938 bis 1942 Generalstabschef des Heers war. Dessen Verhalten gegenüber Hitler und den Widerstand wollen wir uns im Folgenden etwas näher anschauen:

Die Septemberverschwörung 1938

1938 hatte Franz Halder enge Kontakte zu den Teilen der Militäropposition, die Hitler beseitigen wollten, falls dieser durch sein Vorgehen gegen Tschechien einen neuen Krieg mit den Alliierten provozieren sollte. Halders eigener Opposition mangelte es jedoch an der nötigen Entschlossenheit. Es ging ihm auch nicht so sehr, um die Entmachtung der Person Hitlers, sondern allein um den Bestand der Nation. Als Chamberlain auf der Konferenz von München im Sinne seiner „Appeasement Politik“ den Konflikt vorerst friedlich und im Sinne Hitlers lösen konnte, gab es für Halder keinen Grund zum Staatsstreich mehr. Denn ein Krieg schien zunächst abgewendet und der Rückhalt für einen Staatsstreich in der Bevölkerung und Armee nicht in ausreichendem Maße vorhanden.

Der verbrecherische Krieg in Polens und Halders Wegschauen

In Hitlers Polenfeldzug (dem Fall Weiß) agierte Halder in seiner Rolle als Generalstabschef und konzentrierte sich hier völlig auf die militärisch strategischen Aspekte des Krieges. Halders wusste von den Verbrechen, ignorierte sie aber offenbar. Offenbar schaute er bewusst weg. Die Verbrechen wurden noch nicht von der Wehrmacht begangen.

Das Unternehmen Barbarossa und die verbrecherischen Befehle

Als Generalstabschef plante Franz Halder das Unternehmen Barbarossa. Als Hitler den Kommisarbefehl erließ, sah er sich gezwungen hier einzugreifen. Denn die „verbrecherischen Befehle“ bedeuteten einen Freibrief zum straflosen Morden. Das konnte Halder nicht tolerieren. Es ging ihm hier aber offenbar nicht um die Verhinderung der Verbrechen, sondern um den Erhalt von Disziplin und Moral in der Truppe. Deswegen wurden die Befehle nicht etwa aufgehoben, sondern lediglich Ihre Ausführung zum Gegenstand von Befehl und Gehorsam gemacht, sodass hier die Disziplin der Truppe gewahrt werden sollte. Es bleibt aber offenbar sehr schwierig zu beurteilen, wie Halder zu den in Russland begangen Verbrechen gestanden hatte. Er mag sie innerlich abgelehnt haben, aber auf Grund des repressiven nationalsozialistischen Systems in das er sich gepresst sah, hat er offenbar nicht die nötige Entschlossenheit zum Widerstand aufgebracht.

Halders Absetzung

Schon im Westfeldzug gegen Frankreich hatte Hitler in die Pläne des OKH eingegriffen. Lange Zeit jedoch konnten der Generalstab seine eigenen Handlungsspielräume aufrechterhalten. Nachdem in den letzten Monaten des Jahres 1941 sich der Angriff der Deutschen in der Operation Taifun, des Angriffs auf Moskau festgefahren hatte, und die Sowjetunion der Wehrmacht mit eigenen Angriffen erhebliche Verluste beigebracht hatte, sollten sich Halders Handlungsspielraum deutlich verengen. Der schon lange Zeit schwache Oberbefehlshaber des Heeres Walter von Brauchitsch, musste nach den Rückschlägen vor Moskau seinen Hut nehmen. Adolf Hitler übernahm darauf selber den Oberbefehl über das Heer. Halder verkam damit nur noch zum Befehlsempfänger, bis er am 24. September 1942 von Hitler von seinem Amt entbunden wurde.  Sein Beispiel kann in gewisser Weise pars pro toto für andere führende Vertreter der Wehrmacht, wie etwa Fedor von Bock, der Onkel Henning von Tresckows gesehen werden. Der innere Widerstand war zwar bei Ihnen vorhanden, doch der letzte Wille zur aktiven Opposition gegen Hitler fehlte. Sie waren durch Hitler, der mehrere Institutionen wie OKW und OKH nebeneinander setzte und sich selbst zum Oberbefehlshaber der Wehrmacht machte, zu Befehlsempfängern degradiert.

Zusammenfassung: 

Franz Halder, Generalstabschef des Oberkommandos des Heeres, war nur 1938 zum Staatsstreich bereit. Im Folgenden ließ er sich von Hitler zu dessen Werkzeug machen, der sich nur auf das bloße Ausüben seiner militärischen Aufgaben beschränkte.

 

Quelle: Hartmann, Christian: Halder Generalstabschef Hitlers 1938- 1942, München 1991. 

Lesen Sie auch:

Motive für den militärischen Widerstand

Der Widerstand gegen Hitler

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