Peter Frankopan – The Silk Roads

Eine neue Geschichte der Welt verspricht das Buchcover von Peter Frankopans Buch „The Silk Roads“. Ein Versprechen das er nicht halten kann. Aber interessant ist es trotzdem.

Geschichte wird in unserer westlichen Sicht meistens von uns aus betrachtet: Aus der Sicht des Westens. Frankopan verspricht einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Er erzählt die Geschichte der Welt aus der Sicht der Handelsrouten und primär aus der Sicht des Okzidents. Das ist anfangs spannend und äußerst interessant. Angefangen von der Seidenstraße erzählt der Oxford Professor, wie die Seidenstraßen für das Entstehen von Reichtum, für den Aufstieg von Städten und den wissenschaftlichen Fortschritt verantwortlich war. Diese Entwicklung machten den Nahen Osten zum Zentrum der Welt, an dem für hunderte von Jahren kein Weg vorbeiführte.

Frankopan demonstriert am Beispiel von Dschingnis Kahn und der Expansion der Moslems nicht nur reger Handel entstand, sondern auch langfristige Stabilität entstand. Dschingnis Kahn hätte zum Beispiel nicht nur mit großer Drohkulisse, z.B. der Ermordung aller Menschen einer Stadt, für Respekt gegenüber der neuen herrschenden Autorität gesorgt. Er habe es auch verstanden in den neu eroberten Gebieten für stabile Herrschaftsstrukturen und damit für Stabilität zu sorgen. Genauso hätten die Muslime mit einer auf Toleranz basierenden Eroberungspolitik und einem respektvollen Umgang mit anderen Religionen für Stabilität in Ihren Gebieten die Grundlage für ein friedliches Miteinander und langanhaltenden Prosperität gelegt.

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Er zeigt, wie die italienischen Stadtstaaten wie Venedig sich durch Ihre guten Verbindungen zu Städten an der Levante und durch den regen Handel mit neuen Luxusprodukten, wie Seide und Gewürzen  zu großem Reichtum gelangten. Er zeigt aber auch, wie abhängig diese Städten von den alten Handelsrouten waren und wie die Entdeckung und Entwicklung neuer Handelswege die eine Region wirtschaftlich schwächte und für die andere den Aufstieg zu ganz neuer Wichtigkeit bedeutete: die Entdeckung Amerikas und des Seewegs nach Indien über die Route um Afrika bedeutete zum Beispiel den Abstieg der italienischen Städte und den Aufstieg Spaniens und Portugals.

Frankopan führt uns vor Augen, wie die westlichen Mächte den Ölreichtum im Nahen Osten ausbeuten, wie die lokalen Mächte sich gegen die westliche Besatzung auflehnen, der Westen vom Öl abhängig wird und den Nahen Osten in eine höchst fragile Ordnung treibt. Hier verlässt er den spannenden Weg, den er vorher gegangen ist.

Hier eröffnen sich keine neuen Handelswege mehr, sondern wir lesen einen relativ normale Geschichte vom Scheitern des Westens in der Mittelmeerregion. Erst im abschließenden Zusammenfassung macht er neue Wege auf und spricht von der neuen Seidenstraße, die China gründen will. Und er erzählt vom Reichtum der Staaten wie Aserbaidschan, die von Ihren Rohstoffquellen profitieren. Hier handelt es aber nicht durch Staaten die langfristig Bedeutung in der Welt erlangen werden. Denn Rohstoffe sind nicht mehr zwingend die Zukunft. Der Reichtum dieser Länder ist auch nicht der Reichtum von vielen.

Er sagt, dass Länder wie China zum neuen Zentrum der Welt werden könnten, weil hier Netzwerke geschaffen worden sein, die diese Region zu einer ganz neuen Bedeutung emporheben könnte. Aber so ganz verständlich wird dies nicht. Denn zu zerstritten scheinen China und seine Nachbarn zu sein. Frankopan gelingt trotz einiger Schwächen ein sehr gut lesbares, spannendes Buch, dass einem hilft, die Welt in der wir heute leben, ein Stückchen besser zu verstehen.

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