Enttäuscht im Tempel der Literatur – ein Besuch in der Livraia Lello in Porto

Während meines Urlaubs in Porto besuchte ich die weltberühmte Buchhandlung Livraio Lello- ein absolutes Muss für mich als Bücherliebhaber. Doch der Besuch wurde zur Enttäuschung.

Buchhandlungen haben oft etwas magisches. Sie sind Horte des Wissens, Orte in denen sich Buchliebhaber sehr lange aufhalten können. Ein echtes Buch in die Hand nehmen, drin lesen, Buchcover  zu sehen, von Büchern, die wir bereits gelesen haben: Das aktiviert unsere Phantasie und unseren Geist.  Wir erinnern uns an spannende Geschichten, an surreale Abenteuer und magische Orte, wie die Bibliothek der verlorenen Bücher, aus den Büchern von Carlos Ruiz Zafon.

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Eine ganz besondere Buchhandlung ist die Livrario Lello in Porto. Sie gilt als eine der schönsten Buchhandlungen der Welt. Die Bilder, die man von dieser Buchhandlung im Internet findet, sind wundervoll. Die ganze Buchhandlung ist mit Holz verkleidet, Die Buchregale sind mit aufwändigen Holzornamenten verziert. Die Decke der Buchhandlung ziert ein elegantes Glasmosaik. Die Wendeltreppe, die in den ersten Stock führt, ist mit Ihrer feinen Holzornamentik ein Kunstwerk für sich. Diesen Ort zu besuchen, schien für mich als Buchliebhaber wie ein Pflichtbesuch bei meinem Urlaub in Porto.

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Harry Potter hat die Buchhandlung zerstört

Doch die Livraio Lello zu besuchen war eine Enttäuschung. Denn die Buchhandlung ist mittlerweile ein einziger Ort des Kommerz, mit seinem ursprünglichen Zweck hat sie nicht mehr viel zu tun. Schuld daran trägt Harry Potter, oder besser seine Autorin: J. K. Rowling. Porto diente der britischen Schriftstellerin als Inspiration für ihren Bestseller.
In Porto schrieb J.K. Rowling einen Teil von Harry Potter. Die Livraio Lello diente dabei unter anderem als Inspiration für die Innenausstattung. Dem Harry Potter Boom verdankte die Livario Lello einen ungeahnten Besucherandrang. Das Problem das daraus erwuchs war folgendes: Die Besucher kamen in die Buchhandlung als Fan von Harry Potter und um hier ein Fotos zu machen, und nur noch bedingt, um Bücher zu kaufen. Der Besitzer der Livraio Lello musste daraus die logischen Konsequenzen ziehen. Denn mit dem Verkauf von Büchern verdiente er nicht mehr genug Geld. Er führte einen Eintritt von mittlerweile 4 Euro ein, den man allerdings beim Kauf eines Buches verrechnen kann.

Der Lack ist ab

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Das Eintrittssystem dient auch dazu, den Besucherstrom zu lenken und dafür zu sorgen, dass die Buchhandlung nicht überfüllt wird und ein Besuch völlig unerträglich wird. Dennoch wird der Besuch von Lello’s Buchhandlung nicht mehr zum wirklichen Vergnügen. Man muss den Zeitpunkt seines Besuchs klug auswählen. Schon am frühen Morgen steht eine Schlange kamerabewehrter Touristen vor dem Eingang. Am späteren Nachmittag soll nach Angaben meines Touristenführers der Andrang erträglich sein. Allerdings wurde der Besuch auch zu dieser Zeit nicht zum Vergnügen. Überall stehen Leute im Weg, die Selfies machen, Gruppen blockieren die Treppe in den zweiten Stock, weil sie Fotos machen wollen. Und das schlimmste: Die Besuchermassen zerstören diesen magischen Ort der Literatur. Am augenfälligsten wird dies an der holzvertäfelten Rundtreppe: Ihr Boden ist mit roter Farbe verziert. Doch hält diese der permanenten Beanspruchung nicht statt. Der Lack bröckelt, die Buchhandlung ist renovierungsbedürftig. Der Besuch der Livario Lello war eine Enttäuschung. Leider.