Der 20. Juli 1944 und die Vergangenheitsbewältigung in der Bundesrepublik Deutschland

Die Deutschen brauchten lange, um sich mit dem Widerstand gegen Hitler auseinanderzusetzen. Er war eine Frage zur eigenen Verantwortung und wurde zu einem Kristallationspunkt der des nationalen Erinnerns. 

Im Nachkriegsdeutschland fiel die Erinnerung an den deutschen Widerstand zunächst einmal schwer. Einerseits, weil das von den Alliierten Besatzern nicht so gewünscht war, anderseits, weil die Beschäftigung mit dem deutschen Widerstand, viele Deutsche vor unangenehme Fragen stellte. Denn der Widerstand zeigte, dass es Möglichkeiten gab, gegen das Regime aufzustehen. Man musste nicht zwangsläufig die Augen vor der Realität schließen und mitlaufen, wie es viele getan hatten.

Die Deutung des Widerstands gegen das nationalsozialistisch Deutschland war vielfältig, weil Widerstand gegen das NS Regime von Gruppen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen ausging, und im Nachkriegsdeutschland dann auch von den Menschen aus den unterschiedlichen Gruppen für sich beansprucht und gedeutet wurde.

Die Politik begann in den 50er Jahren den 20. Juli 1944 für ihre Zwecke zu nutzen und damit Geschichtspolitik zu betreiben. Der 20. Juli 1944 wurde, um es mit dem französischen Historiker Pierre Nora zu sagen, zu einem „lieu de memoire“, einem Erinnerungsort. Einem Ort also in jedem möglichen Sinn des Begriffs, in dem sich die Erinnerung einer Nation kristallisiert.

Der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, nutzte in seiner herausragenden Rede zum 10. Jahrestag am 20. Juli 1954 die deutsche Nation zu einen. Er zeigte auf, dass der Kern der Attentäter aus dem Adel kam. Einer gesellschaftlichen Gruppe also,  die sich tief mit dem NS Regime verbunden hatte. Gleichzeitig macht er aber auch deutlich, dass es auch im einfachen Militär Menschen gab, die gegen Hitler aufstanden und das es Widerstand in allen politischen Lagern gab.

Der Widerstand konnte auch genutzt werden, um ein Gegenlicht auf das nationalsozialistische Deutschland zu werfen. Es zeigte, dass nicht alle Deutschen überzeugte Nazis waren und konnte somit das Vertrauen in die moralische Integrität der Deutschen auch international stärken.

Quelle: Steinbach, Peter: Widerstand im Dritten Reich. Die Keimzelle der Nachkriegsdemokratie? in: Ueberschär, Gerd R. (Hg.): Der 20. Juli. Das „andere Deutschland“ in der Vergangenheitspolitik.

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