Ist unser Staat ohnmächtig vor der Gefahr des Terrors?

Als der deutsche Historiker Heinrich von Treitschke in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts über einen geeinten deutschen Staat nachdachte,  da war für ihn klar, welche drei Dinge den deutschen Staat auszeichnen sollte: Macht, Macht und nochmals Macht! Doch die starke Macht des Staates war für ihn kein Selbstzweck. Denn die Macht des Staates hatte einen wichtigen Zweck. Sie sollte, so war die Auffassung des Nationalliberalen, die Freiheit im Inneren absichern. Das war natürlich eine Idee, die in einer Welt ihre Berechtigung hatte, in der der Feind relativ berechenbar war und nur von außen kam.

Doch die Welt in der wir heute leben ist eine andere: Wir sind natürlich viel freier in allem als die Menschen von damals. Wir können überall hinreisen, haben Meinungsfreiheit und können uns diese durch das Internet über viele verschiedene Kanäle bilden. Trotzdem hat dieses mehr an Freiheit auch einen Preis: unsere Sicherheit. Der Staat hat auf Grund der Freiheit, die er seinen Bürgern und Bürgern anderer Länder gewährt, seine Macht massiv eingeschränkt. Feinde im europäischen Ausland gibt es keine mehr. Deswegen haben die europäischen Staaten unter anderem mit der Einführung von Schengen ihren Bürgern immense Freiheiten eingeräumt. Denn mit der Gefahr des islamischen Terrorismus hatte in dieser Weise keiner gerechnet.

Unsere Freiheit ist eine Medaille mit zwei Seiten: Einerseits ist sie ein großes Glück für uns Menschen, die die freiheitliche, westliche Gesellschaft in der wir leben, lieben. Andererseits gibt es auch denen immense Freiheit, die unsere Gesellschaft verachten und sie bekämpfen. Nur was ist die Konsequenz? Muss unser Staat wieder mächtiger werden, unsere Außengrenzen besser schützen und im Inneren noch mehr Überwachen durch Maßnahmen wie? Müssen unsere Soldaten in Syrien kämpfen, um, wie es im Eid der Bundeswehr heißt „das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“? Es scheint, als sei die Antwort nein. Denn offenbar würde keiner dieser Maßnahmen verhindern, dass Terroristen Anschläge begehen. Radikale Islamisten leben bereits unter uns. Waffen könnten Sie auch bereits schon haben. Und der Krieg gegen den IS bekämpft zwar die Hauptursache aber er hindert keinen Bürger unseres Landes sich zu radikalisieren und seine Mitbürger feige anzugreifen.

Unser Staat scheint tatsächlich relativ ohnmächtig gegenüber diesem neuen Feind. Doch wie werden wir dann der terroristischen Gefahr Herr? Die Antwort auf diese Frage ist komplex und doch ernüchternd. Ich glaube, wir müssen unsere Republik wirklich zur res publicae, zur Sache des Volkes machen. Denn auch wir sind der Staat. Ich glaube wir müssen die Menschen, die in unserem Land leben, besser integrieren. Wir müssen verhindern, dass Sie sozial abrutschen und sich von irgendwelchen muslimischen Märchenerzählern dumme Gedanken in die Köpfe setzen lassen. Wir müssen aber auch eine stärkere Zivilgesellschaft werden, müssen enger zusammenstehen. Wir müssen verhindern, dass in unserem Land Hass gepredigt wird. Und wir müssen  uns klarer darüber werden, in was für einem tollen Land wir leben. Wir müssen die Werte, die  Errungenschaften unserer Demokratie mehr zu schätzen wissen. Ich glaube, wenn wir uns von dem permanenten Selbsthass befreien und der latenten Demut und  der Selbstbeschränkung befreien, die wir uns seit den Jahren seit 1945 auferlegt haben, dann kann auch es auch attraktiver werden, sich in unserem Land zu integrieren. Doch sind diese Gedanken leicht formuliert. An der Umsetzung speziell der Integration scheitern wir seit langer Zeit. Terroristische Angriffe scheinen wir tatsächlich nicht ausschließen zu können. Wir können nur hoffen, dass wir weiter so viel Glück haben wie bisher.