Informationsüberflutung- Warum die Menschen immer unsicherer werden, wem sie glauben sollen

Die Informationsvielfalt ist heutzutage riesig. Informationen sind nicht nur per Smartphone überall abrufbar, sondern auch von zahlreichen Quellen zu beziehen. Der Mensch ist heute mehr zu seiner Aufklärung im Sinne Kants fähig als je zuvor. Doch was auf der einen Seite so positiv scheint, hat auch seine Schattenseiten. Denn auf der Suche nach der eigenen Sicht auf das Weltgeschehen, zweifeln immer Menschen daran, wem Sie glauben können.

Als meine Großmutter so alt war wie ich heute, gab es keine Medienvielfalt. Nachrichten außerhalb der kleinen Dorfwelt aus der wir kommen, konnte Sie nur über den Volksempfänger hören. Informationen über den Krieg wurden ihnen nur durch das vom NS- Regime gesteuerte Medium Radio zugänglich. Sicher brachten auch Soldaten auf Fronturlaub neue Informationen mit. Aber diese konnten zumeist nur über die Situation an ihrem Frontabschnitt berichten. Die Gesamtsituation war für sie sicher schwer zu beurteilen. So entstand in den Köpfen der Menschen von damals ein sehr diffuses Bild der Situation. Ihnen blieb letztlich nichts anderes übrig als der Propaganda zu glauben, oder mit einem Gefühl des Zweifels daran zu leben.

Heute ist das ganz anders. Aber trotzdem sind wir heute genauso anfällig für Propaganda wie meine Großmutter. Denn nicht nur die Medientechnik hat sich weiterentwickelt. Auch die Propaganda macht sich die Medienmittel des 21. Jahrhunderts zu Nutze. Die Informationspolitik Wladimir Putins zeigt das sehr deutlich. Putins Fernsehkanäle lancieren Nachrichten über die Ereignisse in der Ostukraine, die teilweise gefaked sind und sich nicht selten auch widersprechen. Der amerikanische Historiker Timothy Snyder hat das in seinem Vortrag mit dem Titel „ From Propaganda to Reality“ sehr gut analysiert:

Die gezielte Desinformation ist Teil von Putins Strategie, die darauf abzielt die Glaubwürdigkeit in den Journalismus zu zerstören und Zweifel an der Glaubwürdigkeit der westlichen Medien zu streuen. Und seine Strategie hat Erfolg. Das zeigt die Masse der PEGIDA Anhänger, die jeden Montag auf die Straße gingen, sich über die „Lügenpresse“ beschwerten und dem Westen Kriegstreiberei gegen das arme Russland unterstellten. Manche Menschen scheinen nicht mehr an das schwarz-weiß Denken, das von den Medien suggeriert wird, zu glauben. Sie zweifeln an dem Bild des Westens als dem Guten und den anderen, zum Beispiel Putins als dem Bösen. Das wirkt geradezu grotesk, wenn man sich bewusst macht, dass unsere Medien frei in der Berichterstattung sind. Sie werden nicht von der Regierung beeinflusst, wie die Fernsehanstalten in Russland. Unsere Medien berichten regierungskritisch. Sicher machen die Journalisten auch Fehler. Zuweilen schießen sie, wie in der Berichterstattung über den Absturz des Germanwings Airbus auch weit über Ziel hinaus. Manchmal ist die Berichterstattung deutlich von der politischen Überzeugung des Journalisten oder gar des Magazins für das er arbeitet geprägt. Häufig beziehen sich gerade die regionalen Zeitungen nur auf Berichte großer Leitmedien, weil diese ganz andere Möglichkeiten der Informationsbeschaffung haben. Aber das ist Teil der Informationsgesellschaft, in wir heute leben. Die Menschen müssen kritisch bleiben gegenüber jedem Medium und dürfen sich nicht von Propaganda einlullen lassen. Zweifel an den „Mainstream“ Medien sind natürlich erlaubt. Denn die Welt ist häufig komplizierter als unsere Medien es vermitteln.

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