Ist der Euro am Ende?

Die Probleme Griechenlands, ein möglicher Grexident und die noch lange nicht überwundene Krise des Euro lassen einige deutsche Journalisten schon einen Abgesang auf den Euro singen. Aber ist Europa wirklich am Ende? Geht das europäische durchwursteln durch die Krise noch einige Jahre weiter oder finden die Europäer endlich eine Lösung?

Der Euro krankt an seinen Konstruktionsfehlern

Der Euro wurde 1999 einstmals in 11 Ländern eingeführt. Dabei wurde die Einführung des Euro in Spanien und Italien bereits mehr als kritisch gesehen. In einem Denkpapier von Wolfgang Schäuble und Karl Lamers aus dem Jahr 1994 weisen die Autoren daraufhin, dass eine Währungsunion zunächst einmal nur in Kerneuropa beginnen könne. Spanien und Italien werden in dieser Denkweise zunächst außen vorgelassen. Ein späterer Eintritt wird aber nicht ausgeschlossen. Von Griechenland ist hingegen zunächst keine Rede. Man sprach damals von dem Europa der zwei Geschwindigkeiten. Und Schäuble und Lamers warnten ausdrücklich davor, den Euro als ein weiteres Integrationsinstrument zu sehen, wie es in Deutschland damals und auch heute der Fall war und ist. Für sie war die Währungsunion vielmehr der harte Kern der politischen Union. Aber die Worte der beiden scheinen in der deutschen und europäischen Politik nicht gehört worden zu sein und auch die Autoren selbst, haben sich am Ende für den falschen Weg entschieden. Am Ende siegten wieder – wie zu oft in der (deutschen) Politik – politische über ökonomisch- rationale Entscheidungen. Deswegen sind jetzt europäische Nationen unterschiedlicher Geschwindigkeiten in einem Boot und während die einen oben schwimmen, sind die anderen dabei abzusaufen.

Im Falle Griechenlands hat man den falschen Weg gewählt

Als die Eurokrise ausbrach haben die europäischen Politiker die Geburtsfehler des Euros zu reparieren versucht. Man hat Mechanismen wie den ESM eingeführt und den schwächelnden Ländern harte Reformen vorgeschrieben und ihnen Sparsamkeit verordnet, deren Sinnhaftigkeit umstritten ist. Letztere ist in den Krisenstaaten wie Italien, Spanien und Griechenland alles andere als wohlgelitten. Denn die südeuropäischen Ländern sind alle in einer mehr oder minder schweren Rezession und die Jugendarbeitlosigkeit ist hoch. Doch während diese Politik in Italien tatsächlich langsam Früchte zu tragen scheint, ist in Griechenland das Gegenteil der Fall. Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hält gar die gesamte europäische Rettungspolitik im Falle Griechenlands für einen Fehler, wie er in seinem Blog schreibt. Weder kann Griechenland die hohen Schulden zurückzahlen noch durch harte Sparpolitik das Land wieder auf einen grünen Zweig bringen, den es wahrscheinlich vor lauter Korruption und Vetternwirtschaft noch nie gesehen hat. Griechenland bräuchte eigentlich einen kompletten Neustart, aber der ist im engen Korsett der Eurozone wahrscheinlich nicht möglich. Es sei denn die europäischen und internationalen Schuldner geben dem Land deutlich mehr Zeit, die Schulden abzubezahlen. Dann könnten die Griechen vielleicht, so es denn wahr ist, dass die Griechen ihren Staatshaushalt aus eigenen Mitteln finanzieren können, den ökonomischen Turnaround aus eigenen Kräften schaffen.

Die Krise verschärft den Gegensatz vom nordeuropäischen Kerneuropa zum schwächeren Süden

Die aktuelle Krise wird auch durch das gegenseitige Misstrauen gestärkt, das von jeher zwischen den europäischen Staaten und ihren Völkern herrscht. Dieses Misstrauen kristallisiert sich besonders stark in Deutschland. Denn Deutschland ist nolens volens in die Position der europäischen Führungsmacht hineingerutscht. Ohne Deutschland ist keine Lösung der Krise denkbar. Und das gefällt dem ein oder anderen in den von der Austeritätspolitik gebeutelten südlichen Staaten nicht. Bereits im August 2012 zeigte sich der damalige Präsident Italiens, Mario Monti besorgt, über die antideutschen Töne in Italien, die die Härte und Arroganz Deutschlands beklagten. Diese Sichtweise des bösen Nordens und der harten und arroganten Deutschen ist in Italien bis heute noch verbreitet. So sprach erst jüngst Allesandro di Battista, Abgeordneter des italienischen Parlaments vom Movimento Quinque Stelle davon, Italien müsse aus dem Euro hinaus, um nicht vom deutschen Nazismus versklavt zu werden. Doch dem Schwingen der Nazikeule steht eben leider auch das Misstrauen und die Arroganz von deutschen Populisten gegenüber. So musste sich Janis Varoufakis im Interview bei Günther Jauch dem armseligen Populismus eines Markus Söder aussetzen, der natürlich als stolzer Bayer oberlehrerhaft betonte, dass Griechenland seine Hausaufgaben machen müsse und weitere Stammtischparolen darbot.

Die Konstruktionsfehler rückgängig machen oder sie als Chance nutzen

Europa hat jetzt zwei Möglichkeiten: Es kann versuchen die Fehler aus der Vergangenheit zu korrigieren. Das hieße, dass Griechenland aus dem Euro austritt und andere Länder wie Italien vielleicht später folgen. Oder man geht den teuren und schmerzhaften Weg der Eurorettung weiter, den man eigentlich bereits zu lang gegangen ist, um ihn jetzt aufzugeben. Denn letzterer bietet große Chancen: Der Druck der Krise macht Reformen unumgänglich. Ein Ausstieg aus dem Euro nimmt diesen Druck von Staaten und lindert ihn zumindest. Das könnte dazu führen, das die Politik wieder in die alte Lethargie verfällt. Wenn man aber den harten Form mit Euro und Reformen weitergeht, dann muss man endlich auch die sture Austeritätspolitik aufgeben. Denn die Eurokrisenländer brauchen Wachstum und Arbeit. Denn ohne diese verdirbt man die Zukunft der jungen Menschen in diesen Ländern. Junge Menschen die die Zukunft Europas sind. Zudem muss man trotz allem Mißstrauen endlich einen versöhnlicheren Ton einschlagen. Denn ein gemeinsames Europa kann nur gelingen, wenn man sich gemeinsam vertraut und sich respektiert. Auch wenn das momentan sehr schwierig zu sein scheint.

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