Propaganda ist überall

Wir leben in einer Informationsgesellschaft. Informationen sind überall. Wir können uns aussuchen, wo wir unsere Nachrichten lesen und wie oft wir uns über den Gang der Welt auf dem Laufenden halten.

Wir im sogenannten Westen lesen gerne Nachrichten von Newsseiten oder Zeitungen, die wir für seriös halten und die von der Allgemeinheit als glaubwürdig betrachtet werden. In Teilen der Bevölkerung heißen diese heute etwas abschätzig „Mainstream“ Medien“. Man kann dort auf verschiedenen Nachrichtenseiten unterschiedliche Artikel zum gleichen Thema lesen und wird feststellen: Nuancen mögen sich verschieben, doch in einem Grundgehalt stimmen die Aussagen aller Artikel überein. Dieser Grundgehalt sind die Fakten, das was man weiß und was, auf Grund der mehr oder weniger unabhängigen Recherche, als gesichert gelten darf.

Doch zuletzt gibt es immer mehr Menschen, die an dieser Wahrheit zweifeln. Sie zweifeln daran, dass uns die „Main Stream“ Medien die Wahrheit erzählen. Sie glauben, dass diese Medien uns ein bestimmtes Bild vermitteln wollen, dass wir als die Wahrheit betrachten sollen.

Propaganda um die Massen gezielt zu lenken

Tatsächlich ist es so, dass die Medien seit jeher ein wichtiges Mittel zur staatlichen Propaganda sind. Edward Bernays, der PR Machiavelli, schreibt in seinem Buch „Propaganda- Die Kunst der Public Relations“, das die Menschen auch der Propaganda bedürfen, dass Sie gelenkt werden müssen.

Deswegen ist es vielleicht auch von Vorteil, wenn die Mainstream Medien tatsächlich nicht so unabhängig sind, sondern ein Bild der Situation im Land vermitteln, dass die Menschen zusammenhält und sie beruhigt.

Propaganda als Waffe

Tatsächlich ist Bernays Buch aber aus einer anderen Zeit. Damals gab es noch keine Massenmedien im heutigen Sinn. Propaganda war sehr gezielt einsetzbar, um das Volk von gewissen Inhalten zu überzeugen- wie es Joseph Goebbels im dritten Reich mit grausamer Brillanz verstand.

Heute ist Propaganda einfacher durchschaubar aber auch gezielter als Mittel zur Desinformation einsetzbar. Ein Vergleich zwischen den Nachrichten auf einem Mainstream Kanal und dem russischen Propaganda Sender Russia Today ist dafür ein gutes Beispiel. Man muss nicht mit einer pro- westlichen Brille ausgestattet zu sein, um schnell zu verstehen, dass 80% der Inhalte auf Russia Today gegen den Westen und besonders die USA gerichtet sind.

Aber diese Desinformation ist auch das Recht von Russia Today. Das hat zwar mit seriösen Journalismus rein gar nichts zu tun, das ist aber auch nicht die Aufgabe des Senders.

Dem einzelnen Menschen bleibt angesichts der Informationsfülle in der heutigen Zeit nur eins übrig: Er muss seine Informationen aus unterschiedlichen Quellen beziehen und sich selbst seine Meinung bilden. Der Leser muss kritisch nachfragen und sich Gedanken machen, über die Intentionen der jeweiligen Medien oder des jeweiligen Schreiberlings. Vielleicht ist auch dieser Artikel nur ein propagandistisches Machwerk. Urteilen sie selbst!

Buchkritik: Weltordung von Henry Kissinger

Wir leben in einer aufregenden Zeit. Die Welt ist so unsicher wie seit langem nicht. Nicht nur der nahe Osten ist ein einziger Krisenherd. Auch im südchinesischen Meer gibt es mehr als genug Konfliktpotential. Wie man in diese Welt Ordnung, ja, eine neue Weltordnung bringt, diese Frage stellt sich der im mittelfränkischen Fürth geborene frühere Außenminister und langjährige Sicherheitsberater der amerikanischen Regierung, Henry Kissinger in seinem Buch „Weltordnung“. Er hat damit ein hoch aktuelles Buch geschrieben, mit dem er – gleich Niccolo Machiavelli es an seinen Fürsten Lorenzo di Piero de Medici tat- einen Ratgeber an den künftigen amerikanischen Präsidenten schreibt. Es ist unglaublich kenntnisreich. Denn Kissinger unternimmt in seinem Buch eine Reise durch die Geschichte der großen Spieler in jeder Weltregion, weil er weiß, dass sich die Handlung von jedem Einzelnen nur aus dem Kontext seiner Geschichte verstehen lässt.

Der westfälische Frieden als Grundlage

Als Beispiel einer Ordnung, die er immer wieder als Vergleichsmaßstab, für Ordnungen in anderen Regionen nimmt, nennt Kissinger den Westfälischen Frieden. Für ihn war es der erste Versuch die internationale Ordnung zu institutionalisieren, die auf Regeln basierte, denen eine Vielzahl von Staaten zugestimmt hatten und die nicht von einer großen Macht dominiert wurde. Das Konzept des Gleichgewichts der Mächte („Balance of Power“), wie es im Westfälischen Frieden zum Ausdruck kommt,  hat für ihn zwei Schwachstellen. Es wird erstens dann herausgefordert, wenn eine der Führungsmächte sich so verstärkt, dass sie Hegemonie erstrebt. Zum anderen wird eine neue Ausbalancierung des Gleichgewichts nötig, wenn eine Macht, die zuvor eher in zweiter Reihe stand, versucht zur Hauptmacht zu werden.

 

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Kissinger „World Order“

Europa auf dem Weg zur Bedeutungslosigkeit?

Europa sieht Kissinger natürlich als engen Bündnisparter der USA. Er zeichnet die die Geschichte Europas Weg nach, von der „Balance of Power“ des westfälischen Friedens zur Herrschaft des Darwinismus im frühen 20. Jahrhundert, bis zur Europäischen Union, die er wieder als Konstrukt erkennt, in dem eine Balance of Power herrscht. Europa, die Sammlung der Staaten, die wie kein anderer Kontinent das Bild der Welt im 19. Jahrhundert verändert, sieht er aber vor einer schwierigen Zukunft. Die Europäer müssten entscheiden, welche Rolle sie auf der Welt spielen wollten. Europa könne wählen, ob es sich entweder neutral verhalten möchte, an der atlantischen Partnerschaft festhält oder Bündnisse mit anderen Erdteilen eingeht. Kissinger sieht es als Aufgabe der USA an, Europa davon abzuhalten in politische Bedeutungslosigkeit zu verfallen. Denn er erkennt, dass es sich in einer schwierigen Situation befindet, zwischen einer Vergangenheit, die noch überwunden werden muss und einer europäischen Zukunft, die die Europäer noch definieren müssen.

Der Nahe Osten im Chaos

Der nahe Osten befindet sich in Kissingers Augen – wer könnte das bezweifeln- in einer schweren Krise. Den Iran, deren große Vergangenheit er hervorhebt, um dessen Anspruch als regionale Macht verständlich zu machen, sieht Kissinger als einen wichtigen Faktor.

Asien zwischen Konfrontation und Ordnung

China erkennt Kissinger als den wichtigsten Akteur im asiatischen Raum an. Er macht klar, welche Macht das „Reich der Mitte“ im Mittelalter in Asien hatte und woher es dementsprechend die Ambition zum heutigen Machtdenken nimmt. Er zieht Parallelen zwischen dem südchinesischen Meer und dem Europa des frühen 20. Jahrhunderts. Dabei macht er aber auch klar, dass er nicht an einen mit militärischen Mitteln ausgetragenen Konflikt glaubt.

Er thematisiert auch Indien und Pakistan, zwei Atommächte, deren weltpolitische Bedeutung nicht zu unterschätzen ist. Kissinger zeigt auf, dass die Inder in einer Philosophie verwurzelt sind, die von einer Ordnung im permanenten Wandel ausgeht. Besatzer zum Beispiel konnten so leicht ertragen werden

Amerikas Rolle in der Welt

Henry Kissinger versucht bei seinen Lesern Verständnis für die Rolle Amerikas in der Welt zu schaffen. Er sieht es nach wie vor als Macht, der bei der Schaffung einer neuen Weltordnung in dieser in Unordnung geratenen Welt  eine entscheidende Rolle zukommt. Kissinger erklärt, dass der Gedanke der Freiheit und diese in der Welt zu verbreiten, schon immer zu den grundlegendsten Überzeugungen der USA gehörte.

Kissinger schreibt ein immens kenntnisreiches Buch, dem viele Leser zu wünschen sind. Auch der künftige Präsident der USA sollte dieses Buch lesen.

 

 

 

 

Politische Sozialisation des militärischen Widerstands gegen Hitler

Um den Gedanken zu fassen, ein Regime stürzen, braucht es die Bereitschaft dazu mit allen Folgende seines Tuns zu leben und zu akzeptieren, dass sich grundlegende Konstanten in seinem Leben von einem Tag auf den anderen ändern können. Dies ist Bereitschaft, die dem Deutschen zumindest in Anbetracht unser Geschichte per se abgeht. Wir Deutschen sind in der Regel nicht bereit zur Revolution, zum gewaltsamen Umsturz einer Regierung und der damit einhergehenden Folgen für das eigene Leben. Der Kommunist Erich Mühsam hat dies in seinem Gedicht vom Revoluzzer beredt zum Ausdruck gebracht:

Es war einmal ein Revoluzzer
im Zivilstand Lampenputzer;
ging im Revoluzzerschritt
mit den Revoluzzern mit.

Und er schrie: „Ich revolüzze!“
Und die Revoluzzermütze
schob er auf das linke ohr,
kam sich höchst gefährlich vor.

Doch die Revoluzzer schritten
mitten in der Straßen Mitten,
wo er sonsten unverdrutzt
alle Gaslaternen putzt.

Sie vom Boden zu entfernen,
rupfte man die Gaslaternen
aus dem Straßenpflaster aus.
zwecks des Barrikadenbaus.

Aber unser Revoluzzer
schrie: „Ich bin der Lampenputzer
dieses guten Leuchtelichts.
Bitte, bitte, tut ihm nichts!

Wenn wir ihn‘ das Licht ausdrehn,
kann kein Bürger nichts mehr sehen.
Laßt die Lampen stehn, ich bitt! –
Denn sonst spiel ich nicht mehr mit!“

Doch die Revoluzzer lachten,
und die Gaslaternen krachten,
und der Lampenputzer schlich
fort und weinte bitterlich.

Dann ist er zu Haus geblieben
und hat dort ein Buch geschrieben:
nämlich, wie man revoluzzt
und dabei doch Lampen putzt
.

Erich Mühsam

politische Sozialisation des militärischen Widerstands

Die besondere Situation in der Zeit des Nationalsozialismus und die Kriegsgreuel des Ostfeldzugs haben offenbar beim militärischen Widerstand einen Schalter umgelegt, sodass sie trotz allem sich zur Tat entschlossen.

Die politische Sozialisation der Attentäter spielte bei der Entscheidung sowohl im negativen als auch im positiven sicher eine entscheidende Rolle.

Eidtreue und Preußentum

Der überwiegende Teil des militärischen Widerstands kam – der Zeit entsprechend- aus dem Adel. Denn lange war die Bekleidung von Offiziersrängen dem Adel vorbehalten. Diese adeligen Offiziere, die von Stauffenbergs, von Tresckows, von Boeselagers, agierten dementsprechend vor allem in ihrem eigenen sozialen Milieu, dessen Traditionen sie zu festgeschriebenen Handelsimperativen zwang.

Die Begriffe Befehl und Gehorsam spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Gehorsam gegenüber dem Vorgesetzen im Militär waren dort sehr bedeutend. Das heißt die Tradition aus der der militärische Wiederstand kam, war einerseits ein großes Hindernis zum militärischen Schlag gegen Hitler. Dieses wurde zusätzlich vergrößert durch den Schwur, den die Wehrmacht auf Hitler geschworen hatte:

„Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, dass ich dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, dem Obersten Befehlshaber der Wehrmacht, unbedingten Gehorsam leisten und als tapferer Soldat bereit sein will, jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen.“

Andererseits konnte diese Tradition aber auch gerade einen Anstoß zum Widerstand geben. Denn die Tradition Befehlen in der Regel zu folgen, war nicht gleichbedeutend mit blindem Gehorsam. Diese findet Ausdruck in einer Tischrede, die am  11. April 1943 Henning von Tresckow in der Potsdamer Garnisonskirche zu seinen beiden Söhnen anlässlich ihrer Konfirmation vortrug:

„Vergesst niemals, dass Ihr auf preussischem Boden aufgewachsen und heute an der heiligsten Stätte des alten Preussentums eingesegnet seid. Das birgt eine grosse Verpflichtung in sich: die Verpflichtung zur Wahrheit, zur innerlichen und äusserlichen Disziplin, zur Pflichterfüllung bis zum Letzten. Vom wahren Preussentum ist der Begriff der Freiheit niemals zu trennen. Wahres Preussentum heisst Synthese zwischen Bindung und Freiheit, zwischen Stolz auf das Eigene und Verständnis für Anderes. Nur in der Synthese liegt die Aufgabe des Preussentums, liegt der preussische Traum.“*

Haffner, Sebastian / Venohr, Wolfgang: „Preußische Profile“. Ullstein 1986 Seite 285.

Überliefert ist auch das Beispiel des Johann Friedrich Adolf von der Marwitz, der einst unter Friedrich dem Großen diente und die Synthese aus Bindung und Freiheit veranschaulicht:

Dieser missachtete den Befehl Friedrich des Großen im sechsjährigen Krieg Schloss Hubertusburg zu plündern. Er sah diese Aktion nicht als kriegswichtig an und verzichtete daher auf die Plünderung aus moralischer Überzeugung.

Ein anderer Aspekt der Tradition des Adels spielte eine weitere positive Rolle bei der Entscheidung zu den Attentatsversuchen und dem Staatsstreich gegen Hitler: die christliche Religion. Die Gesellschaft allgemein aber auch der Adel im Besondern sah sich christlichen Werten verpflichtet.  Der Massenmord im Osten, der christlichen Werten und Geboten fundamental widersprach, musste jeden gläubigen Christen in den Widerstand zwingen. So ist von Henning von Tresckow während der Planungen der berühmte Ausspruch überliefert:

„Wenn einst Gott Abraham verheißen hat, er werde Sodom nicht verderben, wenn auch nur zehn Gerechte darin seien, so hoffe ich, dass Gott Deutschland um unseretwillen nicht vernichten wird. Niemand von uns kann über seinen Tod Klage führen. Wer in unseren Kreis getreten ist, hat damit das Nessushemd angezogen. Der sittliche Wert eines Menschen beginnt erst dort, wo er bereit ist, für seine Überzeugung sein Leben hinzugeben.“

Die enge Verbundenheit des Adels mit dem Nationalsozialismus

Diese Gründe aus der Tradition der Attentäter für den Widerstand stand aber die enge Verwobenheit des Adels mit dem NS Regime entgegen. Denn nach der Ende des Ersten Weltkriegs und dem Frieden von Versailles waren die meisten Adeligen keinesfalls überzeugte Demokraten. Vielmehr sehnte sie sich schon noch zu der Zeit als Kaiser Wilhelm II noch an der Macht war, nach einer starken Führungspersönlichkeit (Malinowski, Vom König zum Führer. Deutscher Adel und Nationalsozialismus, 2004). Diese erblickten sie in Adolf Hitler. Claus Graf Schenk von Stauffenberg zum Beispiel war lange Zeit ein Sympathisant Hitlers.

Die politische Sozialisation des militärischen Widerstands war also sowohl hemmend als auch auslösend für den Entschluss zum Attentat gegen Hitler.

Zur Hauptseite der Reihe über den Widerstand gegen Hitler

 

 

 

Der 20. Juli 1944 und die Vergangenheitsbewältigung in der Bundesrepublik Deutschland

Im Nachkriegsdeutschland fiel die Erinnerung an den deutschen Widerstand zunächst einmal schwer. Einerseits, weil das von den Alliierten Besatzern nicht so gewünscht war, anderseits, weil die Beschäftigung mit dem deutschen Widerstand, viele Deutsche vor unangenehme Fragen stelle. Denn der Widerstand zeigte, dass es Möglichkeiten gab, gegen das Regime aufzustehen und man nicht zwangsläufig die Augen vor der Realität schließen beziehungsweise mitlaufen musste.

Die Deutung an den Widerstand war auch vielfältig, weil Widerstand gegen das NS Regime von Gruppen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen ausging, und im Nachkriegsdeutschland dann auch von den Menschen aus den unterschiedlichen Gruppen für sich beansprucht und gedeutet wurde.

Die Politik begann in den 50er Jahren den 20. Juli 1944 für ihre Zwecke zu nutzen und damit Geschichtspolitik zu betreiben. Der 20. Juli 1944 wurde, um es mit dem französischen Historiker Pierre Nora zu sagen, zu einem „lieu de memoire“, einem Erinnerungsort. Einem Ort also in jedem möglichen Sinn des Begriffs, in dem sich die Erinnerung einer Nation kristallisiert.

Der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, nutzte in seiner herausragenden Rede zum 10. Jahrestag am 20. Juli 1954 die deutsche Nation zu einen. Er zeigte auf, dass der Kern der Attentäter aus dem Adel kam. Einer gesellschaftlichen Gruppe also,  die sich tief mit dem NS Regime verbunden hatte. Gleichzeitig macht er aber auch deutlich, dass es auch im einfachen Militär Menschen gab, die gegen Hitler aufstanden und das es Widerstand in allen politischen Lagern gab.

Der Widerstand konnte auch genutzt werden, um ein Gegenlicht auf das nationalsozialistische Deutschland zu werfen. Es zeigte, dass nicht alle Deutschen überzeugte Nazis waren und konnte somit das Vertrauen in die moralische Integrität der Deutschen auch international stärken.

Quelle: Steinbach, Peter: Widerstand im Dritten Reich. Die Keimzelle der Nachkriegsdemokratie? in: Ueberschär, Gerd R. (Hg.): Der 20. Juli. Das „andere Deutschland“ in der Vergangenheitspolitik.

Man muss die AFD endlich ernst nehmen

Rechtspopulisten, Deutschnationale- so tituliert man allgemein die Alternative für Deutschland. Man echauffiert sich über Äußerungen der extremen Flügel. Und die etablierten Parteien scheinen nur sehr langsam zu verstehen, dass man sich inhaltlich mit der AfD auseinandersetzen und sie ernstnehmen muss.

Doch vielleicht ist das starke Wahlergebnis, dass die AfD in Hessen, Baden- Württemberg, Rheinland- Pfalz und Sachsen- Anhalt erzielt hat endlich das Ausrufezeichen, dass die großen Parteien gebraucht haben.

Die AfD sammelt Ihre Symphatisanten aus allen Wählerlagern. Aber besonders die konservative CDU Wählerschaft ist empfänglich für die Angebote der Alternative für Deutschland. Denn die CDU hat unter Merkel viele Grundsätze aufgegeben; sie ist Schritt für Schritt nach links gerückt. Die CDU ist mittlerweile eine Partei, deren Programm sich kaum unterscheidet von dem der Grünen oder der SPD. Im deutschen Parteienspektrum ist unter den führenden Parteien so eine Art Einheitsbrei geworden. Viele Deutsche fühlen sich angesichts der Euro- und Flüchtlingskrise nicht mehr von der Politik repräsentiert.

Die konservative Politik muss dies endlich kapieren und dementsprechend handeln. Es kann nicht mehr um eine Politik im Sinne des parteipolitischen Erfolgs gehen, bei der auch die Wahrheit wird bis zum geht nicht mehr gebogen und bei der Fragen so umschweifig beantwortet werden, dass man am Ende keine Antwort auf sie bekommt. Die Parteien müssen bei Ihrer Politik wieder in deutschem Interesse handeln und die deutschen Bürger wieder mitnehmen.

Die konservative Politik muss aufhören wie Angela Merkel alles als „alternativlos“ darstellen und bei den Menschen transparenter Werbung für ein einiges Europa machen. Sie muss ehrliche und offene Politik machen und wieder klar zu ihren ureigenen Themen Stellung beziehen. Dann kann man die AfD wieder einfangen.

 

 

Motive für den militärischen Widerstand

Lange Zeit tat sich die deutsche Öffentlichkeit mit dem Gedenktag des 20. Juli 1944 schwer und tut es auch in Teilen noch heute. Dafür gab es mannigfaltige Gründe: So erschienen in der Nachkriegszeit beispielsweise die Attentäter des 20. Juli als Verräter. Zugleich hielten sie aber auch der schweigenden Masse der Menschen, die dem NS-Regime all die Jahre widerstandslos gefolgt waren einen Spiegel vor. Ein weiterer Grund, warum man sich in Deutschland so schwer mit der Ehrung der Männer des 20. Juli 1944 tat, ist die Frage nach den Motiven, die die Attentäter um Claus Graf Schenk von Stauffenberg zu den Anschlagsversuchen und dem Mordversuch vom 20. Juli 1944 brachten.

Vorgeworfen wurde der Gruppe um Stauffenberg, dass die Ausführung der Operation Walküre, des Versuchs das NS-Regime zu stürzen, viel zu spät gekommen sei und man damit letztlich nur noch retten wollte, was zu retten war.

Doch diese Annahme ist heute von der Forschung widerlegt. Denn sie übersieht nicht nur die Komplexität des Unterfangens. Sie übergeht auch die Motive eines jeden Einzelnen der Attentäter. Die Gruppe um Henning von Tresckow und Claus Graf Schenk von Stauffenberg hatte schon vor weit dem ersten Attentatsversuch 1943 den Entschluss gefasst, den Führer zu beseitigen.

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Henning von Tresckow, Quelle: Bundesarchiv, Bild 146-1976-130-53/CC-BY-SA 3.0

Wenn auch die militärische Entwicklung des Unternehmens Barbarossa einen Grund gab, die militärische Führung zu stürzen, war das Hauptmotiv nach Angabe des einzigen Überlebenden Friedrich Freiherr von Gersdorff ein anderes. Das Motiv, das letztlich die Stauffenbergs, Treschkows und von Gersdorffs dazu brachte, den Staatsstreich zu wagen, war der Vernichtungskrieg und Judenmord der Nazis. Als das ausschlaggebende Ereignis war dabei laut dem Münchner Historiker Johannes Hürter die Ermordung aller Juden des Ortes Borrisow in Weißrussland am 20./21. Oktober 1941. Vorher hatte die Männer um Tresckow und Gersdorff in der Leitung der Heeresgruppe Mitte noch mit Ignoranz auf die ihnen bekannten Massenmorde an jüdischer Intelligenz und Kommisaren reagiert. Sie waren für sie teilweise als kriegswichtig akzeptiert. Ab dem Zeitpunkt aber, wo das Morden immer hemmungsloser wurde und auch die Judenverfolgung in der deutschen Heimat immer extremere Formen annahm, erkannten sie, dass dagegen vorgegangen werden musste. Dies geschah fraglos nicht nur aus ethischen Motiven, sondern auch – angesichts der drohenden Niederlage und der Angst der drohenden Konsequenzen für die unfassbaren Verbrechen, deren Dimension 1941 nur in geringem Maße abschätzbar waren.

Zusammenfassung: Der militärische Widerstand hat anfangs den Mord an Juden toleriert. Erst als ihm das Ausmaß in Deutschland und im Kriegsgebiet klar wurde und auch die Niederlage sich abzuzeichnen begann, entschloss man sich zur Tat.

Quelle: HÜRTER, Johannes: Auf dem Weg zur Militäropposition: Treschkow, Gersdorff, der Vernichtungskrieg und der Judenmord, in: Vierteljahreszeitschrift für Zeitgeschichte, (52),3, 2004, S. 527- 562.

 

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Der Widerstand gegen Hitler

Mit der Neuveröffentlichung von Adolf Hitlers Hetzschrift „Mein Kampf“ durch das Team um den Historiker Christian Hartmann vom Institut für Zeitgeschichte, die auch international für ein großes Echo sorgte, ist auch die Frage zurück, warum so viele Deutsche Hitler und seinen Schergen so lange folgen konnten, wo doch in seinem Machwerk all seine Pläne und sein Wahnsinn schon früh enthüllt waren. Des Weiteren verbindet sich damit auch die Geschichte jener, die anders dachten, die teilweise früh verstanden, dass Hitler Deutschland in den Untergang führen würde. Um diese soll es in dieser Artikelserie gehen.

Menschen konnten sich in unterschiedlicher Weise gegen Hitler auflehnen. Im privaten, zivilen Leben und im Militärischen.

Ziviler Widerstand gegen Hitler

Widerstand gegen das NS- Regime konnte im Zivilleben verschiedenste Formen annehmen. Es gab den passiven Widerstand, der seinen Ausdruck in der Ignoranz der Rituale des Regimes finden konnte.  Sehr plastisch geschildert wird dies von dem deutschen Emigranten Sebastian Haffner in seinem Buch „Geschichte eines Deutschen“. Dort schreibt er davon, wie er sich in Hauseingänge verdrückte um den Hitlergruß zu vermeiden, wenn die SA Soldaten im Marsch vorbeikamen. Von dieser passiven Form des Widerstand erzählt auch der Hitler Biograph Joachim Fest in seine Buch „Ich Nicht„. Ziviler Widerstand konnte aber natürlich auch aktive Formen annehmen, die sich etwa in dem Bombenattentat des Georg Elser oder der mutigen Aktion der Geschwister Scholl und ihrer Freunde manifestierte.

Der militärische Widerstand gegen Hitler

Widerstand gegen die Verbrechen der Nationalsozialisten gab es in der gesamten Wehrmacht. Wenn auch das Argument vom „Befehlsnotstand“ in der Nachkriegszeit häufig als Argument vorgeschoben wurde, warum der einzelne Soldat sich nicht gegen die Verbrechen auflehnte, gab es Männer auch in den niedrigen Dienstgraden, die das ihre taten um Juden zu retten und Verbrechen zu verhindern. Unter den Menschen, die vom israelischen Staat in der Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern geehrte wurden, befinden sich etwa 40 bis 45 Wehrmachtsoldaten.

In höheren Rängen des Militärs hatte sich früh Widerstand gegen Hitler formiert. Zum ersten Mal greifbar wurde er in der Septemberverschwörung von 1938, als hohe Militars um Generalstabschef Franz Halder Hitler in der Reichskanzlei töten wollten, sollte er nach der Münchner Konferenz gegen alle internationalen Vereinbarungen in der Tschecheslowakei einmarschieren. Exemplarisch für viele weitere Versuche Hitler aus dem Weg zu räumen, scheiterte das Vorhaben an externen Faktoren – in diesem Fall des Einlenkens des britischen Premiers Chamberlain auf der Konferenz von München. Doch der „Geist von Zossen„, wie Hitler das widerständige Denken derjenigen Männer im Hauptquartier des Generalbstabs in Zossen nannte, existierte weiter. Die Gruppe um Claus Graf Schenk von Stauffenberg und Henning von Treschkow unternahmen mehrere Versuche Hitler zu töten. Diese kulminierten im 20. Juli 1944, wo Stauffenberg eine Bombe in Hitlers Wolfsschanze deponierte und die Operation „Walküre“ das NS Regime stürzen sollte.

In Kürze folgen weitere Beiträge zum zivilen und militärischen Widerstand gegen Hitler.

Motive für den militärischen Widerstand

 

 

 

Der Aufschrei der Unverstandenen

Wenn ich von meiner Arbeit über den Bahnhofsplatz nach Hause gehe, oder am Mannheimer Marktplatz Einkaufen gehe, sehe ich sie etwa  zweimal im Monat: Kurdische Demonstranten. Dieses uns Deutschen durch ihren tapferen Einsatz im Irak und Syrien kämpfende sympathisch gewordene Volk demonstriert für einen autonomen Kurdenstaat und ihren Anführer.

Bei ihren Demonstrationen gibt es nur ein Problem: Sie demonstrieren in ihrer Heimatsprache, also nicht auf deutsch: Dadurch versteht niemand was ihr Anliegen ist. Sie demonstrieren bei Dunkelheit und bei klirrender Kälte. Das scheint kaum eine Marketingsstrategie, die Erfolg verspricht. Vielleicht sollte Ihnen mal jemand sagen, dass sie besser in der Sprache des Landes in dem sie wohnen demonstrieren sollten. Dadurch würden sie nicht nur ihren Willen zur Integration beweisen, sondern ihre Botschaft würde auch in Deutschland und vielleicht auch im Ausland mehr Gehör finden.

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Demonstration von Kurden in Mannheim

Ist unser Staat ohnmächtig vor der Gefahr des Terrors?

Als der deutsche Historiker Heinrich von Treitschke in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts über einen geeinten deutschen Staat nachdachte,  da war für ihn klar, welche drei Dinge den deutschen Staat auszeichnen sollte: Macht, Macht und nochmals Macht! Doch die starke Macht des Staates war für ihn kein Selbstzweck. Denn die Macht des Staates hatte einen wichtigen Zweck. Sie sollte, so war die Auffassung des Nationalliberalen, die Freiheit im Inneren absichern. Das war natürlich eine Idee, die in einer Welt ihre Berechtigung hatte, in der der Feind relativ berechenbar war und nur von außen kam.

Doch die Welt in der wir heute leben ist eine andere: Wir sind natürlich viel freier in allem als die Menschen von damals. Wir können überall hinreisen, haben Meinungsfreiheit und können uns diese durch das Internet über viele verschiedene Kanäle bilden. Trotzdem hat dieses mehr an Freiheit auch einen Preis: unsere Sicherheit. Der Staat hat auf Grund der Freiheit, die er seinen Bürgern und Bürgern anderer Länder gewährt, seine Macht massiv eingeschränkt. Feinde im europäischen Ausland gibt es keine mehr. Deswegen haben die europäischen Staaten unter anderem mit der Einführung von Schengen ihren Bürgern immense Freiheiten eingeräumt. Denn mit der Gefahr des islamischen Terrorismus hatte in dieser Weise keiner gerechnet.

Unsere Freiheit ist eine Medaille mit zwei Seiten: Einerseits ist sie ein großes Glück für uns Menschen, die die freiheitliche, westliche Gesellschaft in der wir leben, lieben. Andererseits gibt es auch denen immense Freiheit, die unsere Gesellschaft verachten und sie bekämpfen. Nur was ist die Konsequenz? Muss unser Staat wieder mächtiger werden, unsere Außengrenzen besser schützen und im Inneren noch mehr Überwachen durch Maßnahmen wie? Müssen unsere Soldaten in Syrien kämpfen, um, wie es im Eid der Bundeswehr heißt „das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“? Es scheint, als sei die Antwort nein. Denn offenbar würde keiner dieser Maßnahmen verhindern, dass Terroristen Anschläge begehen. Radikale Islamisten leben bereits unter uns. Waffen könnten Sie auch bereits schon haben. Und der Krieg gegen den IS bekämpft zwar die Hauptursache aber er hindert keinen Bürger unseres Landes sich zu radikalisieren und seine Mitbürger feige anzugreifen.

Unser Staat scheint tatsächlich relativ ohnmächtig gegenüber diesem neuen Feind. Doch wie werden wir dann der terroristischen Gefahr Herr? Die Antwort auf diese Frage ist komplex und doch ernüchternd. Ich glaube, wir müssen unsere Republik wirklich zur res publicae, zur Sache des Volkes machen. Denn auch wir sind der Staat. Ich glaube wir müssen die Menschen, die in unserem Land leben, besser integrieren. Wir müssen verhindern, dass Sie sozial abrutschen und sich von irgendwelchen muslimischen Märchenerzählern dumme Gedanken in die Köpfe setzen lassen. Wir müssen aber auch eine stärkere Zivilgesellschaft werden, müssen enger zusammenstehen. Wir müssen verhindern, dass in unserem Land Hass gepredigt wird. Und wir müssen  uns klarer darüber werden, in was für einem tollen Land wir leben. Wir müssen die Werte, die  Errungenschaften unserer Demokratie mehr zu schätzen wissen. Ich glaube, wenn wir uns von dem permanenten Selbsthass befreien und der latenten Demut und  der Selbstbeschränkung befreien, die wir uns seit den Jahren seit 1945 auferlegt haben, dann kann auch es auch attraktiver werden, sich in unserem Land zu integrieren. Doch sind diese Gedanken leicht formuliert. An der Umsetzung speziell der Integration scheitern wir seit langer Zeit. Terroristische Angriffe scheinen wir tatsächlich nicht ausschließen zu können. Wir können nur hoffen, dass wir weiter so viel Glück haben wie bisher.

Die Flüchtlingswelle stoppen- nur wie?

Anfang des Jahres rechnete man mit 400.000 Flüchtlingen. Vor einiger Zeit ging man dann von 800.000 Flüchtlingen aus. Mittlerweile steht die Zahl von 1.500.000 Flüchtlingen im Raum. Für viele scheint das Land am Limit zu sein. Die Situation ist kurz davor, außer Kontrolle zu geraten. Bald wird die Situation besonders prekär werden. Denn bald wird es kalt.

Doch wie kann man dieser Situation Herr werden? Wo sollen die ganzen Flüchtlinge hin, die momentan noch in Zelten leben? Wie überzeugt man die Menschmassen, die momentan auf dem Weg nach Europa und besonders nach Deutschland sind, dass hier kein Platz mehr für sie ist.

Die Bundesregierung und ihre europäischen Partner scheinen darauf offensichtlich keine so richtige Antwort zu haben. Man will mehr Raum für Flüchtlinge in der Türkei schaffen und diese so besser versorgen. Aber was ist mit den Flüchtlingen aus Lybien? Und mit den Flüchtlingen aus anderen Ländern wie Pakistan und Afghanistan?

Aber wirklich stoppen wird das den Flüchtlingsstrom kaum. Es hilft auch nicht, Flüchtlingsströme umzuleiten und sie in andere europäische Länder zu verteilen. Viele, besonders die kleineren Staaten, wie Kroatien, haben auch nicht die Ressourcen, um mit den Flüchtlingen umzugehen.

Die einzige Chance, die Flüchtlingswelle zu stoppen, ist ein entschiedenes Eingreifen in den Kriegsgebieten, aus denen die meisten Flüchtlinge zu uns strömen. Das Problem ist nur, dass die Europäer das nicht wollen. Aber so werden Sie auch das Problem nicht lösen. Die Kriege sind für Europa wie ein offener Wasserhahn. Genauso wie das Wasser erst aufhört zu fließen, wenn man den Hahn zudreht, wird auch der Flüchtlingsstrom erst enden, wenn im Nahen Osten wieder eine Situation des Friedens herrscht. Europa scheint den Hahn aber lieber weiter laufen zu lassen, als vehement an seiner Schließung zu arbeiten.

Dafür gibt es natürlich gute Gründe. Denn der Konflikt in Syrien ist tatsächlich zu kompliziert, um dort mit noch Militär einzugreifen. Vor allem weil man sich selbst darüber uneins ist, auf welcher Seite man eingreifen soll. Im Irak gibt es wenigstens noch einen klaren Gegner, den man bekämpfen kann. Aber der Kampf würde lange dauern und ob er endgültig zu gewinnen ist, steht dahin. In Lybien scheint die Situation bald ähnlich zu sein, wenn man es zulässt, dass auch dort der IS immer mehr an Boden gewinnt.

Früher war eine Flüchtlingswelle ein Phänomen von gewisser Dauer. Der Flüchtlingsstrom dauerte etwas, dann hörte er aber auch auf, weil der Krieg letztlich vorbei war, weil eine der Parteien gewonnen hatte. Heute ist das leider viel schwieriger. Deswegen wird sich Europa entscheiden müssen. Entweder man wagt eine offensivere Außenpolitik und schafft wieder eine sichere Heimat für viele Flüchtlinge. Oder man lässt sich vom internationalen Terrorismus seine Politik diktieren  und stellt sich die nächsten 10-15 Jahre der Aufgabe permanenter Flüchtlingsströme.