Der 20. Juli 1944 – ein europäischer Erinnerungsort und der Euro

Am 20. Juli 1944 verübte Claus Graf Schenk von Stauffenberg ein Bombenattentat auf Hitler. Hinter ihm stand ein großer Kreis von Verschwörern, die den Plan zur Mobilisierung des Ersatzheeres „Walküre“ nutzen wollten, um per Staatsstreich das Hitler- Regime abzulösen. Der Anschlag scheiterte aber und sein Datum dient heute nicht nur zur Erinnerung an alle, die sich Hitler entgegenstellten.

Es ist auch ein deutscher und europäischer Erinnerungsort. Ein Datum in dem sich das nationale Bewusstsein auf ganz besondere Weise widerspiegelt. Bundespräsident Theodor Heuss nutzte seine Rede zum 10jährigen Jahrestag des 20. Juli dazu, um die deutsche Nation zu versöhnen. Er stellte die Attentäter um Stauffenberg in seiner brillanten Rede in eine Linie mit dem preußischen General Johann Friedrich Adolf von der Marwitz. Dieser hatte dem Befehl Friedrich des Großen widerstanden das Jagdschloss Hubertusburg bei Leipzig zu plündern. Er nahm in Kauf bei Friedrich dem Großen in Ungnade zu fallen. Auf seinem Grabstein stand dann auch der Satz:

„Wählte Ungnade, wo Gehorsam nicht Ehre brachte“.

Mit seinem Vergleich von von der Marwitz und den Männern um Stauffenberg stellte Heuss den Widerstand als etwas dar, was zur adligen Tradition gehörte und wollte den deutschen Adel, der durch seine Kollaboration mit dem NS System schwer in der Kritik stand, in eine Reihe mit widerständigen Soldaten bringen und so das Volk miteinander versöhnen.

Der 20. Juli 1944 als Erinnerung gegen Denkverbote

Der 20. Juli 1944 lehrt uns, sich kritisch mit dem Handeln der Regierung auseinanderzusetzen und wenn man die Politik ablehnt, dieses auch kund zu tun. Wie es letzten Freitag auch 60 Mitglieder der CDU taten, darunter auch Hans Georg von der Marwitz, tatsächlich ein Nachfahre Johann Friedrich Adolfs von der Marwitz. Die Frage ob man ein weiteres Sparpaket für Griechenland schnürt, oder den Griechen einen geordneten Ausstieg aus dem Euro ermöglicht, ist höchst umstritten. Die einen sehen es als ultima ratio ein, Griechenland im Euro zu halten. Denn wie Angela Merkel stets betonte:

“Scheitert der Euro, dann scheitert Europa”
Angela Merkel

Andere sehen den Grexit als die bessere Lösung. Denn dann könnte Griechenland abwerten und vielleicht schneller und mit weniger Leid in der Zivilbevölkerung aus der Krise kommen. Aber offengestanden weiß keiner so genau, was die richtige Lösung ist. Denn die volkswirtschaftlichen Auswirkungen von beiden Wegen sind in unser globalisierten und total vernetzten Welt schlecht vorrauszusehen. Es könnte sein, dass der Grexit sogar noch teurer wird, als ein weiteres Rettungspaket. Deswegen ist es wichtig stets alle Seiten im Blick zu haben und nicht nur in eine Richtung zu denken. Man muss an der besten Möglichkeit arbeiten, die einerseits Griechenland reformiert aber auch verhindert, dass zu viele Menschen leiden.


Deutschlands Außenpolitik- Anspruch und Wirklichkeit

ISAF Einsatz
Bundespräsident Joachim Gauck rief noch Anfang letzten Jahres zu einer aktiveren deutschen Außenpolitik auf, die nötigenfalls auch zu Waffengewalt greift, wo es nötig ist. Doch wenn man sich die tatsächliche Außenpolitik Deutschlands anguckt, so ist von einer aktiveren Rolle nicht viel zu sehen.
Das amerikanische Politikmagazin „Foreign Affairs“ kommt zu dem Urteil, dass die Rolle von Deutschland in der Weltpolitik überschätzt würde. Park Nicholson schreibt zwar, dass Deutschlands „Soft Power“, also die Möglichkeit mit Politik und Wirtschaft Einfluss auf andere Staaten zu nehmen, so große sei, wie nie. Aber er sagt auch, dass diese zu wenig eingesetzt würde und wenn, zu wenig Erfolg führe.

Deutschland als Friedensmacht

Deutschlands Außenpolitik folgt stets dem Dogma „Deutschland als Friedensmacht“. Das heißt, der Einsatz von Soft Power, um das Weltgeschehen zu beeinflussen hat Priorität. Deutschland steht außenpolitisch auf den ersten Blick stark dar. Es ist die Führungsmacht in der EU. Es gilt in der G7 als Nummer zwei. Im Konflikt mit Russland sind Merkels und der französische Präsident Hollande die ersten Verhandlungspartner Russlands.
Doch guckt man sich die zwei schwelenden Konfliktherde in der Nähe Europas und Eurokrise zu Hause in Europa an, so stellt man fest, dass man das Bild von der Stärke Deutschlands stark relativieren muss:

• Im Konflikt mit Wladimir Putin hat Merkel zwar zusammen mit Hollande das Minsker Abkommen ausgehandelt. Doch trotz des Abkommens gab es ständig Kämpfe und die Lage droht seit gestern wieder komplett zu eskalieren. Die ausgehandelten Worte scheinen wenig wert, weil die russischen Separatisten/ die russische Regierung außerhalb von erneuten Verhandlungen keine Konsequenzen fürchten muss.

• Im Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat, oder Daesh, wie Sie im arabischen Raum genannt wird, reagiert die Bundesregierung viel zu spät und zu halbherzig. Denn die deutsche Bundesregierung wusste schon lange, dass der Neuaufbau des Irak durch die USA sehr fehlerhaft war. Der damalige Chef des BND Dr. August Hanning berichtete schon im Jahre 2004 davon, dass der Irak sehr wahrscheinlich auf das Chaos zusteuere, so man denn nicht mehr machen würde, um die Herzen und Köpfe der Menschen dort zu erreichen und einen stabilen und wirtschaftlich starken Irak aufbaue (Verenkotte, 2005, S.247). Trotz dieser Warnung hat die Bundesregierung aber nichts gemacht, um dem amerikanischen Bündnispartner zu helfen. Viel zu bequem war und ist es, die Konsequenzen den Amerikanern in die Schuhe zu schieben. Dabei wäre und ist ein stabiler naher Osten im ureigensten Interesse Deutschlands und Europas. Jetzt ist man dabei die Fehler der Vergangenheit zu reparieren: Deutschland liefert Waffen an die Kurden. Das birgt nicht geringe Risiken, da man nicht weiß, ob diese nicht die deutsche Waffen dazu nutzen gegen andere Minderheiten vorzugehen und einen späteren souveränen Staat Kurdistan zu vergrößern und damit neue Konflikte auszulösen.

• In der Eurokrise gerät Deutschlands politische Linie immer mehr ins Wanken. Angela Merkel und ihre Finanzminister Peer Steinbrück und Wolfgang Schäuble hatten sich früh auf die sogenannte „Austeritätspolitik“ als Heilmittel für die in der Krise steckenden Staaten geeinigt. Für Staaten wie Italien, Spanien und Portugal scheint diese auch erste Früchte zu tragen, obwohl diese Länder durch eine harte Zeit geschickt wurden. In Griechenland funktioniert die Austeritätspolitik offenbar weniger gut. Daher stehen die Griechen jetzt entweder vor letzten Rettung durch finanzielle Hilfe aus dem Ausland oder dem Ausstieg aus dem Euro. Alexis Tsipras, der griechische Ministerpräsident, scheint zu wissen, wie weit er gehen kann. Er weiß, dass Merkel die Griechen gern im Euro halten will. Und er weiß genauso, dass die Gegenwehr gegen die Politik, die viele als von Deutschland auferzwungen sehen, immer größer wird. Deswegen ist die Bundesregierung jetzt in der Zwickmühle, weil sie einerseits nicht so viel Spielraum geben, andererseits aber auch nicht als der böse Buhmann dastehen möchte.

Das Problem der deutschen Außenpolitik ist seit langer Zeit ein ganz fundamentales: International agieren die Deutschen nicht, sie reagieren nur. Statt proaktiv aufkommende Konflikte zu lösen, bevor sie ausbrechen, lässt man ausbrechen, um sich dann eher schlecht als recht um dessen Lösung zu kümmern. Wenn Deutschland die Rolle in der Welt spielen möchte, dass es selbst für sich proklamiert, dann muss es anfangen zu agieren wie die weltpolitische Macht, die es sein will. Dann könnten Anspruch und Wirklichkeit irgendwann zur Deckung kommen.


Informationsüberflutung- Warum die Menschen immer unsicherer werden, wem sie glauben sollen

Die Informationsvielfalt ist heutzutage riesig. Informationen sind nicht nur per Smartphone überall abrufbar, sondern auch von zahlreichen Quellen zu beziehen. Der Mensch ist heute mehr zu seiner Aufklärung im Sinne Kants fähig als je zuvor. Doch was auf der einen Seite so positiv scheint, hat auch seine Schattenseiten. Denn auf der Suche nach der eigenen Sicht auf das Weltgeschehen, zweifeln immer Menschen daran, wem Sie glauben können.

Als meine Großmutter so alt war wie ich heute, gab es keine Medienvielfalt. Nachrichten außerhalb der kleinen Dorfwelt aus der wir kommen, konnte Sie nur über den Volksempfänger hören. Informationen über den Krieg wurden ihnen nur durch das vom NS- Regime gesteuerte Medium Radio zugänglich. Sicher brachten auch Soldaten auf Fronturlaub neue Informationen mit. Aber diese konnten zumeist nur über die Situation an ihrem Frontabschnitt berichten. Die Gesamtsituation war für sie sicher schwer zu beurteilen. So entstand in den Köpfen der Menschen von damals ein sehr diffuses Bild der Situation. Ihnen blieb letztlich nichts anderes übrig als der Propaganda zu glauben, oder mit einem Gefühl des Zweifels daran zu leben.

Heute ist das ganz anders. Aber trotzdem sind wir heute genauso anfällig für Propaganda wie meine Großmutter. Denn nicht nur die Medientechnik hat sich weiterentwickelt. Auch die Propaganda macht sich die Medienmittel des 21. Jahrhunderts zu Nutze. Die Informationspolitik Wladimir Putins zeigt das sehr deutlich. Putins Fernsehkanäle lancieren Nachrichten über die Ereignisse in der Ostukraine, die teilweise gefaked sind und sich nicht selten auch widersprechen. Der amerikanische Historiker Timothy Snyder hat das in seinem Vortrag mit dem Titel „ From Propaganda to Reality“ sehr gut analysiert:
Die gezielte Desinformation ist Teil von Putins Strategie, die darauf abzielt die Glaubwürdigkeit in den Journalismus zu zerstören und Zweifel an der Glaubwürdigkeit der westlichen Medien zu streuen. Und seine Strategie hat Erfolg. Das zeigt die Masse der PEGIDA Anhänger, die jeden Montag auf die Straße gingen, sich über die „Lügenpresse“ beschwerten und dem Westen Kriegstreiberei gegen das arme Russland unterstellten. Manche Menschen scheinen nicht mehr an das schwarz-weiß Denken, das von den Medien suggeriert wird, zu glauben. Sie zweifeln an dem Bild des Westens als dem Guten und den anderen, zum Beispiel Putins als dem Bösen. Das wirkt geradezu grotesk, wenn man sich bewusst macht, dass unsere Medien frei in der Berichterstattung sind. Sie werden nicht von der Regierung beeinflusst, wie die Fernsehanstalten in Russland. Unsere Medien berichten regierungskritisch. Sicher machen die Journalisten auch Fehler. Zuweilen schießen sie, wie in der Berichterstattung über den Absturz des Germanwings Airbus auch weit über Ziel hinaus. Manchmal ist die Berichterstattung deutlich von der politischen Überzeugung des Journalisten oder gar des Magazins für das er arbeitet geprägt. Häufig beziehen sich gerade die regionalen Zeitungen nur auf Berichte großer Leitmedien, weil diese ganz andere Möglichkeiten der Informationsbeschaffung haben. Aber das ist Teil der Informationsgesellschaft, in wir heute leben. Die Menschen müssen kritisch bleiben gegenüber jedem Medium und dürfen sich nicht von Propaganda einlullen lassen. Zweifel an den „Mainstream“ Medien sind natürlich erlaubt. Denn die Welt ist häufig komplizierter als unsere Medien es vermitteln.


Ist der Euro am Ende?

Die Probleme Griechenlands, ein möglicher Grexident und die noch lange nicht überwundene Krise des Euro lassen einige deutsche Journalisten schon einen Abgesang auf den Euro singen. Aber ist Europa wirklich am Ende? Geht das europäische durchwursteln durch die Krise noch einige Jahre weiter oder finden die Europäer endlich eine Lösung?

Der Euro krankt an seinen Konstruktionsfehlern

Der Euro wurde 1999 einstmals in 11 Ländern eingeführt. Dabei wurde die Einführung des Euro in Spanien und Italien bereits mehr als kritisch gesehen. In einem Denkpapier von Wolfgang Schäuble und Karl Lamers aus dem Jahr 1994 weisen die Autoren daraufhin, dass eine Währungsunion zunächst einmal nur in Kerneuropa beginnen könne. Spanien und Italien werden in dieser Denkweise zunächst außen vorgelassen. Ein späterer Eintritt wird aber nicht ausgeschlossen. Von Griechenland ist hingegen zunächst keine Rede. Man sprach damals von dem Europa der zwei Geschwindigkeiten. Und Schäuble und Lamers warnten ausdrücklich davor, den Euro als ein weiteres Integrationsinstrument zu sehen, wie es in Deutschland damals und auch heute der Fall war und ist. Für sie war die Währungsunion vielmehr der harte Kern der politischen Union. Aber die Worte der beiden scheinen in der deutschen und europäischen Politik nicht gehört worden zu sein und auch die Autoren selbst, haben sich am Ende für den falschen Weg entschieden. Am Ende siegten wieder – wie zu oft in der (deutschen) Politik – politische über ökonomisch- rationale Entscheidungen. Deswegen sind jetzt europäische Nationen unterschiedlicher Geschwindigkeiten in einem Boot und während die einen oben schwimmen, sind die anderen dabei abzusaufen.

Im Falle Griechenlands hat man den falschen Weg gewählt

Als die Eurokrise ausbrach haben die europäischen Politiker die Geburtsfehler des Euros zu reparieren versucht. Man hat Mechanismen wie den ESM eingeführt und den schwächelnden Ländern harte Reformen vorgeschrieben und ihnen Sparsamkeit verordnet, deren Sinnhaftigkeit umstritten ist. Letztere ist in den Krisenstaaten wie Italien, Spanien und Griechenland alles andere als wohlgelitten. Denn die südeuropäischen Ländern sind alle in einer mehr oder minder schweren Rezession und die Jugendarbeitlosigkeit ist hoch. Doch während diese Politik in Italien tatsächlich langsam Früchte zu tragen scheint, ist in Griechenland das Gegenteil der Fall. Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hält gar die gesamte europäische Rettungspolitik im Falle Griechenlands für einen Fehler, wie er in seinem Blog schreibt. Weder kann Griechenland die hohen Schulden zurückzahlen noch durch harte Sparpolitik das Land wieder auf einen grünen Zweig bringen, den es wahrscheinlich vor lauter Korruption und Vetternwirtschaft noch nie gesehen hat. Griechenland bräuchte eigentlich einen kompletten Neustart, aber der ist im engen Korsett der Eurozone wahrscheinlich nicht möglich. Es sei denn die europäischen und internationalen Schuldner geben dem Land deutlich mehr Zeit, die Schulden abzubezahlen. Dann könnten die Griechen vielleicht, so es denn wahr ist, dass die Griechen ihren Staatshaushalt aus eigenen Mitteln finanzieren können, den ökonomischen Turnaround aus eigenen Kräften schaffen.

Die Krise verschärft den Gegensatz vom nordeuropäischen Kerneuropa zum schwächeren Süden

Die aktuelle Krise wird auch durch das gegenseitige Misstrauen gestärkt, das von jeher zwischen den europäischen Staaten und ihren Völkern herrscht. Dieses Misstrauen kristallisiert sich besonders stark in Deutschland. Denn Deutschland ist nolens volens in die Position der europäischen Führungsmacht hineingerutscht. Ohne Deutschland ist keine Lösung der Krise denkbar. Und das gefällt dem ein oder anderen in den von der Austeritätspolitik gebeutelten südlichen Staaten nicht. Bereits im August 2012 zeigte sich der damalige Präsident Italiens, Mario Monti besorgt, über die antideutschen Töne in Italien, die die Härte und Arroganz Deutschlands beklagten. Diese Sichtweise des bösen Nordens und der harten und arroganten Deutschen ist in Italien bis heute noch verbreitet. So sprach erst jüngst Allesandro di Battista, Abgeordneter des italienischen Parlaments vom Movimento Quinque Stelle davon, Italien müsse aus dem Euro hinaus, um nicht vom deutschen Nazismus versklavt zu werden. Doch dem Schwingen der Nazikeule steht eben leider auch das Misstrauen und die Arroganz von deutschen Populisten gegenüber. So musste sich Janis Varoufakis im Interview bei Günther Jauch dem armseligen Populismus eines Markus Söder aussetzen, der natürlich als stolzer Bayer oberlehrerhaft betonte, dass Griechenland seine Hausaufgaben machen müsse und weitere Stammtischparolen darbot.

Die Konstruktionsfehler rückgängig machen oder sie als Chance nutzen

Europa hat jetzt zwei Möglichkeiten: Es kann versuchen die Fehler aus der Vergangenheit zu korrigieren. Das hieße, dass Griechenland aus dem Euro austritt und andere Länder wie Italien vielleicht später folgen. Oder man geht den teuren und schmerzhaften Weg der Eurorettung weiter, den man eigentlich bereits zu lang gegangen ist, um ihn jetzt aufzugeben. Denn letzterer bietet große Chancen: Der Druck der Krise macht Reformen unumgänglich. Ein Ausstieg aus dem Euro nimmt diesen Druck von Staaten und lindert ihn zumindest. Das könnte dazu führen, das die Politik wieder in die alte Lethargie verfällt. Wenn man aber den harten Form mit Euro und Reformen weitergeht, dann muss man endlich auch die sture Austeritätspolitik aufgeben. Denn die Eurokrisenländer brauchen Wachstum und Arbeit. Denn ohne diese verdirbt man die Zukunft der jungen Menschen in diesen Ländern. Junge Menschen die die Zukunft Europas sind. Zudem muss man trotz allem Mißstrauen endlich einen versöhnlicheren Ton einschlagen. Denn ein gemeinsames Europa kann nur gelingen, wenn man sich gemeinsam vertraut und sich respektiert. Auch wenn das momentan sehr schwierig zu sein scheint.


PEGIDA’s Probleme und unser Problem mit PEGIDA

PEGIDA ist momentan omnipräsent in den Medien. Es wird abzuwarten bleiben, wie sich das schreckliche Massaker in Paris, begangen von radikalen Islamisten auf ihre nächste Demonstration am Montag auswirken wird. Denn die Bluttat zeigt leider deutlich, welche Bedrohung radikaler Islamismus für unsere liberale Gesellschaft darstellt.

Dadurch hat PEGIDA aber trotzdem nicht Recht, mit dem sie was fordern. Denn eine Islamisierung weder Deutschlands noch Europas ist im Gange. Die Muslime in Deutschland machen gerade 4 Millionen unserer christlich geprägten Bevölkerung aus. Und es gibt auch keinen Hinweis darauf, dass sich das ändern wird.

Unklare Ziele

PEGIDA’s Problem ist ferner, dass sie niemand so recht versteht, warum diese Menschen überhaupt zusammen auf die Straße gehen. Ihr im Internet veröffentlichtes Positionspapier ist, wenn man sich ihr Hauptziel, als eine Bewegung gegen die Islamisierung des Abendlandes, also der Kampf gegen die Islamisierung des Westens vor Augen führt, verwirrend. Denn darin geht es hauptsächlich um Asylpolitik. Sie schreiben, dass sie für eine Aufnahme von Kriegsflüchtlingen sind. Dass sie dafür sind, das die Asylbewerber in der Mitte unserer Gesellschaft Unterkünfte bekommen und nicht in irgendwelchen Heimen. Sie wollen weiter straffällig gewordene Asylbewerber schneller abschieden.

Schutz christlich-jüdisch geprägter Abendlandkultur

Ihr Hauptposition kommt einzig in den Artikeln 13 und 15 ihres Positionspapier zum Ausdruck. Da heißt es:
PEGIDA ist FÜR die Erhaltung und den Schutz unserer christlich – jüdisch geprägten Abendlandkultur! Was jetzt dabei allerdings genau damit gemeint ist, wird nur in Ansätzen erwähnt. In Artikel 15heißt es: PEGIDA ist GEGEN das Zulassen von Parallelgesellschaften/Parallelgerichte in unserer Mitte, wie Sharia – Gerichte, Sharia – Polizei, Friedensrichter usw. Gegen diese Parallelgesellschaften sind wir gewiss alle. Aber wir sprechen hier, wenn es denn überhaupt Fälle davon gibt, von Einzelfällen. Das Aufreten der Sharia Polizei war eine einmalige Erscheinung in Wupptertal. Sharia Gerichte scheinen durchaus ein Problem zu sein, dass es zu bekämpfen gilt. Allerdings keine Problem, dass die Mehrheit der Deutschen, also die christliche Bevölkerung betrifft und unseren Staat islamisieren könnte. Parallelgesellschaften entstehen häufig dort, wo Menschen sich nicht integrieren oder nicht integriert werden. Diesen beidseitigen Prozess müssen wir fördern wo wir können, müssen aber die Bereitschaft dazu auch von Einwandern erwarten können. Diese Forderungen von PEGIDA sind durchaus nicht verkehrt, aber sie sind getrieben von einer übertriebenen Angst.

Verschiedene Interessen

Weiterhin ist dieses Positionspapier nicht das, was die Demonstranten der PEGIDA Bewegung eint. Denn dort scheinen auch Menschen mitzulaufen, die ganz andere Beschwerden haben, die sie bei den Demonstrationen zum Ausdruck bringen. Die Presse ist für sie die „Lügenpresse“ und das nicht nur, weil sie sich von den Medien falsch verstanden und falsch dargestellt fühlen. Sie misstrauen der deutschen Presse im Generellen. Was in einem Land wie Deutschland doch massiv verwundert. Denn schließlich gilt bei uns Pressefreiheit. Jeder darf schreiben, was er möchte, solange seine Meinung im Einklang mit dem Grundgesetz steht. Und man kann unserem Journalismus eine hohe Qualität bescheinigen. Schließlich ist wie überall auch im Journalismus der Konkurrenzdruck groß und der die beste Qualität liefert gewinnt. Es ist schade, dass die PEGIDA Anhänger offenbar das Privileg der Pressefreiheit in unserem Land nicht zu schätzen wissen. Vielleicht sollten diese Menschen mal einige Zeit nach Russland gehen, um zu sehen, wie es ist, in einem repressiven Regime zu leben. Aber manchen scheint das auch nicht zu helfen. Denn die gucken scheinbar nur den ganzen Tag Russia Today. Denn sie fordern auf ihren Plakaten: Nie wieder Krieg mit Russland! Weg mit der Kriegshetzerregierung. Gerade so als hätte Deutschland sich illegal der Krim bemächtigt, Soldaten in ein fremdes Land geschickt, um Separatisten zu unterstützen und dabei noch – aus Versehen- eine Passagiermaschine vom Himmel geschossen und über 200 Zivilisten getötet.

Zwielichtige Führung

Zuletzt sind die Anführer und Redner von PEGIDA zum großen Teil ziemlich zwielichtige Gestalten. Menschen mit krimineller Vergangenheit, die im Internet klar ihre rechte Gesinnung demonstrieren und Verschwörungstheoretiker. Sie sind der Grund, warum man der PEGIDA Bewegung – vielleicht tatsächlich zu Unrecht- in die rechte Ecke gestellt wird und warum man ihr so viel Misstrauen entgegenbringt. Ich hoffe, wir können den Anhängern von PEGIDA ihre Ängste nehmen.


Die Welt im Jahr 2015

2014 war weltpolitisch ein aufregendes Jahr: Staaten zerfallen, alte Denkmuster erleben eine Renaissance und die Welt in der wir leben erscheint so unsicher wie nie zuvor. Die Krisen, die wir erleben, sind mit dem Ende des Jahres noch längst nicht ausgestanden. Und eine alte, schon in Vergessenheit geratene – die Eurokrise- könnte im nächsten Jahr ihr unheilvolles Comeback starten.

Putins Russland

Am bedrohlichsten für die Welt könnte sich das Russland Wladimir Putins erweisen. Durch die Schwäche des Rubels und der niedrige Ölpreis wird die Lage der russischen Wirtschaft weiter verschärfen. Grund genug für die russische Führung nach neuem Prestige in der Außenpolitik zu streben. Wobei momentan noch unklar erscheint, wie die Russen versuchen werden, ihre hybride Kriegsführung im Osten der Ukraine zu einem endgültigen Erfolg für die Separatisten zu machen.

Religiöser Fanatismus

Die religiösen Fanatiker der Terrorgruppe Islamischer Staat werden im nächsten Jahr zumindest in Syrien und im Irak ihren Niedergang erleben. Denn militärisch und vor allem finanziell werden sie Rückschlag um Rückschlag erleiden und ihre Glaubwürdigkeit innerhalb ihrer eigenen Anhänger verlieren. Dennoch ist nicht davon auszugehen, dass der islamistische Terrorismus schnell besiegt werden kann. Im Gegenteil: Die Gefahr besteht, dass sich Terrorgruppen der Sorte IS und Boko Haram weiter in Krisen geschüttelten Staaten ausbreiten und an Macht gewinnen.

Eurokrise

Die Eurokrise war längere Zeit aus den Tageszeitungen und Nachrichtenjournalen verschwunden. Das könnte sich ändern, wenn es der linken Partei, Syriza, von Alexis Zipras gelingt, in Griechenland in die Regierung gewählt zu werden. Auch die Situation in Italien, der drittstärksten Volkswirtschaft Europas, ist alles andere als einfach. Zwar sind Regierungschef Matteo Renzi wichtige Reformen gelungen. Doch ist die Situation in Italien immer noch weit von einer konjunkturellen Erholung entfernt. Das Reformprogramm Renzis ist selbst innerhalb seiner eigenen Partei sehr umstritten. Das nächste Jahr wird für Matteo Renzi und Italien nicht einfacher werden als das letzte. Denn er will Italien weiter zum positiven verändern. Doch Das Movimento Cinque Stelle, die Fünf Sterne Bewegung des Komikers Beppe Grillo erhält mit ihrem Kurs gegen die Austeritätspolitik und für eine Wiedereinführung des Euro weiterhin viel Zulauf und wird ihm das Reformieren schwer machen.

Uns erwartet ein spannendes Jahr 2015. Ich wünsche Ihnen allen einen guten Rutsch ins neue Jahr!


Die sechs Killer- Apps des Wohlstands

Haben Sie sich auch mal gefragt, warum besonders der Teil der Erde, den wir als „den Westen“ bezeichnen, so erfolgreich wurde, während andere Teile der Erde in deutlich schlechteren Verhältnissen lebten? Oder warum es mittlerweile Staaten aus anderen Regionen gelingt, den Erfolg des Westens einzuholen? Der Harvard Historiker Niall Ferguson hat den Grund für den Erfolg des Westens gefunden. Die sechs Killer- Apps des Wohlstands:

 


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