Information overload- Warum die Menschen immer unsicherer werden, wem sie glauben sollen

Die Informationsvielfalt ist heutzutage riesig. Informationen sind nicht nur per Smartphone überall abrufbar, sondern auch von zahlreichen Quellen zu beziehen. Der Mensch ist heute mehr zu seiner Aufklärung im Sinne Kants fähig als je zuvor. Doch was auf der einen Seite so positiv scheint, hat auch seine Schattenseiten. Denn auf der Suche nach der eigenen Sicht auf das Weltgeschehen, zweifeln immer Menschen daran, wem Sie glauben können.

Als meine Großmutter so alt war wie ich heute, gab es keine Medienvielfalt. Nachrichten außerhalb der kleinen Dorfwelt aus der wir kommen, konnte Sie nur über den Volksempfänger hören. Informationen über den Krieg wurden ihnen nur durch das vom NS- Regime gesteuerte Medium Radio zugänglich. Sicher brachten auch Soldaten auf Fronturlaub neue Informationen mit. Aber diese konnten zumeist nur über die Situation an ihrem Frontabschnitt berichten. Die Gesamtsituation war für sie sicher schwer zu beurteilen. So entstand in den Köpfen der Menschen von damals ein sehr diffuses Bild der Situation. Ihnen blieb letztlich nichts anderes übrig als der Propaganda zu glauben, oder mit einem Gefühl des Zweifels daran zu leben.

Heute ist das ganz anders. Aber trotzdem sind wir heute genauso anfällig für Propaganda wie meine Großmutter. Denn nicht nur die Medientechnik hat sich weiterentwickelt. Auch die Propaganda macht sich die Medienmittel des 21. Jahrhunderts zu Nutze. Die Informationspolitik Wladimir Putins zeigt das sehr deutlich. Putins Fernsehkanäle lancieren Nachrichten über die Ereignisse in der Ostukraine, die teilweise gefaked sind und sich nicht selten auch widersprechen. Der amerikanische Historiker Timothy Snyder hat das in seinem Vortrag mit dem Titel „ From Propaganda to Reality“ sehr gut analysiert:
Die gezielte Desinformation ist Teil von Putins Strategie, die darauf abzielt die Glaubwürdigkeit in den Journalismus zu zerstören und Zweifel an der Glaubwürdigkeit der westlichen Medien zu streuen. Und seine Strategie hat Erfolg. Das zeigt die Masse der PEGIDA Anhänger, die jeden Montag auf die Straße gingen, sich über die „Lügenpresse“ beschwerten und dem Westen Kriegstreiberei gegen das arme Russland unterstellten. Manche Menschen scheinen nicht mehr an das schwarz-weiß Denken, das von den Medien suggeriert wird, zu glauben. Sie zweifeln an dem Bild des Westens als dem Guten und den anderen, zum Beispiel Putins als dem Bösen. Das wirkt geradezu grotesk, wenn man sich bewusst macht, dass unsere Medien frei in der Berichterstattung sind. Sie werden nicht von der Regierung beeinflusst, wie die Fernsehanstalten in Russland. Unsere Medien berichten regierungskritisch. Sicher machen die Journalisten auch Fehler. Zuweilen schießen sie, wie in der Berichterstattung über den Absturz des Germanwings Airbus auch weit über Ziel hinaus. Manchmal ist die Berichterstattung deutlich von der politischen Überzeugung des Journalisten oder gar des Magazins für das er arbeitet geprägt. Häufig beziehen sich gerade die regionalen Zeitungen nur auf Berichte großer Leitmedien, weil diese ganz andere Möglichkeiten der Informationsbeschaffung haben. Aber das ist Teil der Informationsgesellschaft, in wir heute leben. Die Menschen müssen kritisch bleiben gegenüber jedem Medium und dürfen sich nicht von Propaganda einlullen lassen. Zweifel an den „Mainstream“ Medien sind natürlich erlaubt. Denn die Welt ist häufig komplizierter als unsere Medien es vermitteln.


Ist der Euro am Ende?

Die Probleme Griechenlands, ein möglicher Grexident und die noch lange nicht überwundene Krise des Euro lassen einige deutsche Journalisten schon einen Abgesang auf den Euro singen. Aber ist Europa wirklich am Ende? Geht das europäische durchwursteln durch die Krise noch einige Jahre weiter oder finden die Europäer endlich eine Lösung?

Der Euro krankt an seinen Konstruktionsfehlern

Der Euro wurde 1999 einstmals in 11 Ländern eingeführt. Dabei wurde die Einführung des Euro in Spanien und Italien bereits mehr als kritisch gesehen. In einem Denkpapier von Wolfgang Schäuble und Karl Lamers aus dem Jahr 1994 weisen die Autoren daraufhin, dass eine Währungsunion zunächst einmal nur in Kerneuropa beginnen könne. Spanien und Italien werden in dieser Denkweise zunächst außen vorgelassen. Ein späterer Eintritt wird aber nicht ausgeschlossen. Von Griechenland ist hingegen zunächst keine Rede. Man sprach damals von dem Europa der zwei Geschwindigkeiten. Und Schäuble und Lamers warnten ausdrücklich davor, den Euro als ein weiteres Integrationsinstrument zu sehen, wie es in Deutschland damals und auch heute der Fall war und ist. Für sie war die Währungsunion vielmehr der harte Kern der politischen Union. Aber die Worte der beiden scheinen in der deutschen und europäischen Politik nicht gehört worden zu sein und auch die Autoren selbst, haben sich am Ende für den falschen Weg entschieden. Am Ende siegten wieder – wie zu oft in der (deutschen) Politik – politische über ökonomisch- rationale Entscheidungen. Deswegen sind jetzt europäische Nationen unterschiedlicher Geschwindigkeiten in einem Boot und während die einen oben schwimmen, sind die anderen dabei abzusaufen.

Im Falle Griechenlands hat man den falschen Weg gewählt

Als die Eurokrise ausbrach haben die europäischen Politiker die Geburtsfehler des Euros zu reparieren versucht. Man hat Mechanismen wie den ESM eingeführt und den schwächelnden Ländern harte Reformen vorgeschrieben und ihnen Sparsamkeit verordnet, deren Sinnhaftigkeit umstritten ist. Letztere ist in den Krisenstaaten wie Italien, Spanien und Griechenland alles andere als wohlgelitten. Denn die südeuropäischen Ländern sind alle in einer mehr oder minder schweren Rezession und die Jugendarbeitlosigkeit ist hoch. Doch während diese Politik in Italien tatsächlich langsam Früchte zu tragen scheint, ist in Griechenland das Gegenteil der Fall. Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hält gar die gesamte europäische Rettungspolitik im Falle Griechenlands für einen Fehler, wie er in seinem Blog schreibt. Weder kann Griechenland die hohen Schulden zurückzahlen noch durch harte Sparpolitik das Land wieder auf einen grünen Zweig bringen, den es wahrscheinlich vor lauter Korruption und Vetternwirtschaft noch nie gesehen hat. Griechenland bräuchte eigentlich einen kompletten Neustart, aber der ist im engen Korsett der Eurozone wahrscheinlich nicht möglich. Es sei denn die europäischen und internationalen Schuldner geben dem Land deutlich mehr Zeit, die Schulden abzubezahlen. Dann könnten die Griechen vielleicht, so es denn wahr ist, dass die Griechen ihren Staatshaushalt aus eigenen Mitteln finanzieren können, den ökonomischen Turnaround aus eigenen Kräften schaffen.

Die Krise verschärft den Gegensatz vom nordeuropäischen Kerneuropa zum schwächeren Süden

Die aktuelle Krise wird auch durch das gegenseitige Misstrauen gestärkt, das von jeher zwischen den europäischen Staaten und ihren Völkern herrscht. Dieses Misstrauen kristallisiert sich besonders stark in Deutschland. Denn Deutschland ist nolens volens in die Position der europäischen Führungsmacht hineingerutscht. Ohne Deutschland ist keine Lösung der Krise denkbar. Und das gefällt dem ein oder anderen in den von der Austeritätspolitik gebeutelten südlichen Staaten nicht. Bereits im August 2012 zeigte sich der damalige Präsident Italiens, Mario Monti besorgt, über die antideutschen Töne in Italien, die die Härte und Arroganz Deutschlands beklagten. Diese Sichtweise des bösen Nordens und der harten und arroganten Deutschen ist in Italien bis heute noch verbreitet. So sprach erst jüngst Allesandro di Battista, Abgeordneter des italienischen Parlaments vom Movimento Quinque Stelle davon, Italien müsse aus dem Euro hinaus, um nicht vom deutschen Nazismus versklavt zu werden. Doch dem Schwingen der Nazikeule steht eben leider auch das Misstrauen und die Arroganz von deutschen Populisten gegenüber. So musste sich Janis Varoufakis im Interview bei Günther Jauch dem armseligen Populismus eines Markus Söder aussetzen, der natürlich als stolzer Bayer oberlehrerhaft betonte, dass Griechenland seine Hausaufgaben machen müsse und weitere Stammtischparolen darbot.

Die Konstruktionsfehler rückgängig machen oder sie als Chance nutzen

Europa hat jetzt zwei Möglichkeiten: Es kann versuchen die Fehler aus der Vergangenheit zu korrigieren. Das hieße, dass Griechenland aus dem Euro austritt und andere Länder wie Italien vielleicht später folgen. Oder man geht den teuren und schmerzhaften Weg der Eurorettung weiter, den man eigentlich bereits zu lang gegangen ist, um ihn jetzt aufzugeben. Denn letzterer bietet große Chancen: Der Druck der Krise macht Reformen unumgänglich. Ein Ausstieg aus dem Euro nimmt diesen Druck von Staaten und lindert ihn zumindest. Das könnte dazu führen, das die Politik wieder in die alte Lethargie verfällt. Wenn man aber den harten Form mit Euro und Reformen weitergeht, dann muss man endlich auch die sture Austeritätspolitik aufgeben. Denn die Eurokrisenländer brauchen Wachstum und Arbeit. Denn ohne diese verdirbt man die Zukunft der jungen Menschen in diesen Ländern. Junge Menschen die die Zukunft Europas sind. Zudem muss man trotz allem Mißstrauen endlich einen versöhnlicheren Ton einschlagen. Denn ein gemeinsames Europa kann nur gelingen, wenn man sich gemeinsam vertraut und sich respektiert. Auch wenn das momentan sehr schwierig zu sein scheint.


PEGIDA’s Probleme und unser Problem mit PEGIDA

PEGIDA ist momentan omnipräsent in den Medien. Es wird abzuwarten bleiben, wie sich das schreckliche Massaker in Paris, begangen von radikalen Islamisten auf ihre nächste Demonstration am Montag auswirken wird. Denn die Bluttat zeigt leider deutlich, welche Bedrohung radikaler Islamismus für unsere liberale Gesellschaft darstellt.

Dadurch hat PEGIDA aber trotzdem nicht Recht, mit dem sie was fordern. Denn eine Islamisierung weder Deutschlands noch Europas ist im Gange. Die Muslime in Deutschland machen gerade 4 Millionen unserer christlich geprägten Bevölkerung aus. Und es gibt auch keinen Hinweis darauf, dass sich das ändern wird.

Unklare Ziele

PEGIDA’s Problem ist ferner, dass sie niemand so recht versteht, warum diese Menschen überhaupt zusammen auf die Straße gehen. Ihr im Internet veröffentlichtes Positionspapier ist, wenn man sich ihr Hauptziel, als eine Bewegung gegen die Islamisierung des Abendlandes, also der Kampf gegen die Islamisierung des Westens vor Augen führt, verwirrend. Denn darin geht es hauptsächlich um Asylpolitik. Sie schreiben, dass sie für eine Aufnahme von Kriegsflüchtlingen sind. Dass sie dafür sind, das die Asylbewerber in der Mitte unserer Gesellschaft Unterkünfte bekommen und nicht in irgendwelchen Heimen. Sie wollen weiter straffällig gewordene Asylbewerber schneller abschieden.

Schutz christlich-jüdisch geprägter Abendlandkultur

Ihr Hauptposition kommt einzig in den Artikeln 13 und 15 ihres Positionspapier zum Ausdruck. Da heißt es:
PEGIDA ist FÜR die Erhaltung und den Schutz unserer christlich – jüdisch geprägten Abendlandkultur! Was jetzt dabei allerdings genau damit gemeint ist, wird nur in Ansätzen erwähnt. In Artikel 15heißt es: PEGIDA ist GEGEN das Zulassen von Parallelgesellschaften/Parallelgerichte in unserer Mitte, wie Sharia – Gerichte, Sharia – Polizei, Friedensrichter usw. Gegen diese Parallelgesellschaften sind wir gewiss alle. Aber wir sprechen hier, wenn es denn überhaupt Fälle davon gibt, von Einzelfällen. Das Aufreten der Sharia Polizei war eine einmalige Erscheinung in Wupptertal. Sharia Gerichte scheinen durchaus ein Problem zu sein, dass es zu bekämpfen gilt. Allerdings keine Problem, dass die Mehrheit der Deutschen, also die christliche Bevölkerung betrifft und unseren Staat islamisieren könnte. Parallelgesellschaften entstehen häufig dort, wo Menschen sich nicht integrieren oder nicht integriert werden. Diesen beidseitigen Prozess müssen wir fördern wo wir können, müssen aber die Bereitschaft dazu auch von Einwandern erwarten können. Diese Forderungen von PEGIDA sind durchaus nicht verkehrt, aber sie sind getrieben von einer übertriebenen Angst.

Verschiedene Interessen

Weiterhin ist dieses Positionspapier nicht das, was die Demonstranten der PEGIDA Bewegung eint. Denn dort scheinen auch Menschen mitzulaufen, die ganz andere Beschwerden haben, die sie bei den Demonstrationen zum Ausdruck bringen. Die Presse ist für sie die „Lügenpresse“ und das nicht nur, weil sie sich von den Medien falsch verstanden und falsch dargestellt fühlen. Sie misstrauen der deutschen Presse im Generellen. Was in einem Land wie Deutschland doch massiv verwundert. Denn schließlich gilt bei uns Pressefreiheit. Jeder darf schreiben, was er möchte, solange seine Meinung im Einklang mit dem Grundgesetz steht. Und man kann unserem Journalismus eine hohe Qualität bescheinigen. Schließlich ist wie überall auch im Journalismus der Konkurrenzdruck groß und der die beste Qualität liefert gewinnt. Es ist schade, dass die PEGIDA Anhänger offenbar das Privileg der Pressefreiheit in unserem Land nicht zu schätzen wissen. Vielleicht sollten diese Menschen mal einige Zeit nach Russland gehen, um zu sehen, wie es ist, in einem repressiven Regime zu leben. Aber manchen scheint das auch nicht zu helfen. Denn die gucken scheinbar nur den ganzen Tag Russia Today. Denn sie fordern auf ihren Plakaten: Nie wieder Krieg mit Russland! Weg mit der Kriegshetzerregierung. Gerade so als hätte Deutschland sich illegal der Krim bemächtigt, Soldaten in ein fremdes Land geschickt, um Separatisten zu unterstützen und dabei noch – aus Versehen- eine Passagiermaschine vom Himmel geschossen und über 200 Zivilisten getötet.

Zwielichtige Führung

Zuletzt sind die Anführer und Redner von PEGIDA zum großen Teil ziemlich zwielichtige Gestalten. Menschen mit krimineller Vergangenheit, die im Internet klar ihre rechte Gesinnung demonstrieren und Verschwörungstheoretiker. Sie sind der Grund, warum man der PEGIDA Bewegung – vielleicht tatsächlich zu Unrecht- in die rechte Ecke gestellt wird und warum man ihr so viel Misstrauen entgegenbringt. Ich hoffe, wir können den Anhängern von PEGIDA ihre Ängste nehmen.


Die Welt im Jahr 2015

2014 war weltpolitisch ein aufregendes Jahr: Staaten zerfallen, alte Denkmuster erleben eine Renaissance und die Welt in der wir leben erscheint so unsicher wie nie zuvor. Die Krisen, die wir erleben, sind mit dem Ende des Jahres noch längst nicht ausgestanden. Und eine alte, schon in Vergessenheit geratene – die Eurokrise- könnte im nächsten Jahr ihr unheilvolles Comeback starten.

Putins Russland

Am bedrohlichsten für die Welt könnte sich das Russland Wladimir Putins erweisen. Durch die Schwäche des Rubels und der niedrige Ölpreis wird die Lage der russischen Wirtschaft weiter verschärfen. Grund genug für die russische Führung nach neuem Prestige in der Außenpolitik zu streben. Wobei momentan noch unklar erscheint, wie die Russen versuchen werden, ihre hybride Kriegsführung im Osten der Ukraine zu einem endgültigen Erfolg für die Separatisten zu machen.

Religiöser Fanatismus

Die religiösen Fanatiker der Terrorgruppe Islamischer Staat werden im nächsten Jahr zumindest in Syrien und im Irak ihren Niedergang erleben. Denn militärisch und vor allem finanziell werden sie Rückschlag um Rückschlag erleiden und ihre Glaubwürdigkeit innerhalb ihrer eigenen Anhänger verlieren. Dennoch ist nicht davon auszugehen, dass der islamistische Terrorismus schnell besiegt werden kann. Im Gegenteil: Die Gefahr besteht, dass sich Terrorgruppen der Sorte IS und Boko Haram weiter in Krisen geschüttelten Staaten ausbreiten und an Macht gewinnen.

Eurokrise

Die Eurokrise war längere Zeit aus den Tageszeitungen und Nachrichtenjournalen verschwunden. Das könnte sich ändern, wenn es der linken Partei, Syriza, von Alexis Zipras gelingt, in Griechenland in die Regierung gewählt zu werden. Auch die Situation in Italien, der drittstärksten Volkswirtschaft Europas, ist alles andere als einfach. Zwar sind Regierungschef Matteo Renzi wichtige Reformen gelungen. Doch ist die Situation in Italien immer noch weit von einer konjunkturellen Erholung entfernt. Das Reformprogramm Renzis ist selbst innerhalb seiner eigenen Partei sehr umstritten. Das nächste Jahr wird für Matteo Renzi und Italien nicht einfacher werden als das letzte. Denn er will Italien weiter zum positiven verändern. Doch Das Movimento Cinque Stelle, die Fünf Sterne Bewegung des Komikers Beppe Grillo erhält mit ihrem Kurs gegen die Austeritätspolitik und für eine Wiedereinführung des Euro weiterhin viel Zulauf und wird ihm das Reformieren schwer machen.

Uns erwartet ein spannendes Jahr 2015. Ich wünsche Ihnen allen einen guten Rutsch ins neue Jahr!


Die sechs Killer- Apps des Wohlstands

Haben Sie sich auch mal gefragt, warum besonders der Teil der Erde, den wir als „den Westen“ bezeichnen, so erfolgreich wurde, während andere Teile der Erde in deutlich schlechteren Verhältnissen lebten? Oder warum es mittlerweile Staaten aus anderen Regionen gelingt, den Erfolg des Westens einzuholen? Der Harvard Historiker Niall Ferguson hat den Grund für den Erfolg des Westens gefunden. Die sechs Killer- Apps des Wohlstands:

 


Soll sich Deutschland außenpolitisch mehr engagieren?

Joachim Gauck warb auf der Münchener Sicherheitskonferenz für eine neue deutsche Außenpolitik. Er meint, es sei Zeit die selbstauferlegte „Kultur der Zurückhaltung“ abzulegen. Deutschland soll ein verlässlicher Partner an der Seite seiner Verbündeten werden und militärisches Abseitsstehen soll es nicht mehr geben. Aber was heißt das praktisch?

Internationale Konflikte

Wenn man sich die Konflikte anschaut, aus denen Deutschland sich herausgehalten hat, wird man zunächst zu einem Urteil kommen: Es hatte recht damit, sich rauszuhalten. Der internationale Einsatz in Lybien hat nicht zu einem besseren Lybien geführt. Im Gegenteil: Die Milizen, die einst gegen Gadaffi kämpften, erheben Anspruch auf Macht und lassen die Gesellschaft nicht zur Ruhe kommen. Lybiens Weg zu einer stabilen Demokratie ist noch weit. Es war gut, das Deutschland hier nicht beteiligt hat. Es war ebenso richtig, sich nicht in Syrien auf Seiten der Opposition zu engagieren. Angesichts der vielen Millionen Toten, der vielen toten Kinder und Frauen, scheint dies ein hartes Urteil. Aber das Ergebnis wäre wahrscheinlich das  gleiche gewesen wie in Lybien. Es wäre sogar noch schlimmer gekommen, wenn man sich den kleinen Gottesstaat ISIS anschaut, die sich radikale Islamisten in Teilen Iraks und Syriens aufgebaut haben.

Soft Power

Aber sicher hätte Deutschland sich anders stärker engagieren können. Das vom amerikanischen Politikwissenschaftler Joseph Nye erfunden Konzept der Soft Power wäre das Zauberwort gewesen. Deutschland genießt einen unheimlich guten Ruf in der Welt. Für Menschen aus anderen Ländern strahlt es einen immense Attraktivität aus. Darüber haben wir nicht den Ruf, als Weltpolizei aufzutreten und durch Kriege zu versuchen, die Menschen mit Demokratie zu beglücken. Wir hätten vielleicht diesen Ruf nutzen können, um mit Assad zu verhandeln, der uns selbst als Mediator vorschlug.  Wenn Deutschland eine solche Rolle in einer sehr frühen Phase des Konflikts zwischen Assad und der syrischen Opposition wahrgenommen hätte, hätte vielleicht schlimmeres verhindert werden können.

Fehlende militärische Macht

Wenn man von Deutschland fordert, das es sich außenpolitisch stärker engagiert, muss man gezwungenermaßen auch die Bundeswehr besser ausstatten. Denn die momentane Ausstattung der Bundeswehr ist schlecht. In vielen Teilen der Armee ist das Material mangelhaft. Wieso sonst hätte einst Oberst Klein die Amerikaner herbeizurufen, um den Tanklaster anzugreifen. Unsere Kampfhubschrauber, der supermoderne Tiger, kreisen momentan nur durch deutsche Regionen. Für Afghanistan ist der deutsche Tiger nicht geeignet. Frankreich setzt ihn dort ein. Unsere Eurofighter stehen wegen technischer Mängel auf ungewisse Zeit am Boden. Und durch den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan kommt die deutsche Armee bereits an die Grenzen ihrer Kapazitäten. Das  hört sich ganz offensichtlich nicht nach einer Macht an, vor dem man sich fürchten müsste. Aber selbstverständlich ist auch die Hard Power ein Faktor, den man nicht unterschätzen darf. Betrachtet man die Rüstungsprojekte der Bundeswehr in den letzten Jahren, den A400 M, den Eurofighter oder auch den Eurohawk erkennt man, worin hier ganz offenbar ein großes Problem liegt. Die deutsche Rüstungspolitik ist ineffektiv und unglaublich teuer.  Angesichts der Milliarden, die für diese Projekte investiert  bzw. verschwendet wurden,  muss einem Angst und Bange werden, wenn Deutschland nun begänne, mehr in die Aus- und Aufrüstung d er Armee zu investieren. Deswegen muss nicht nur endlich das Bundesverteidigungsministerium umgekrempelt werden, damit es endlich effektiv arbeitet. Verteidigungspolitik muss auch endlich europäisch gedacht werden.  Einen Krieg zwischen europäischen Staaten wird es nie mehr geben. Denn dazu ist Europa bereits viel zu zusammengewachsen. Deswegen wird es auch Zeit, Schluss zu machen mit  kostenintensiven eigenen Rüstungsproduktionen. Gemeinsam entwickelte Rüstungsprojekte wie der Eurofighter müssen alltäglich werden. Dadurch lassen sich Milliarden sparen. Deutschland muss sich aber natürlich auch in diesem europäischen Zusammenhang militärisch stärker aufstellen, um außenpolitisch mehr Respekt zu verdienen.

Deutschland muss mit Soft- und Hardpower stärker seinen Einfluss geltend machen. Aber es muss klug handeln und muss aus vergangenen Fehlern wie dem Afghanistan Konflikt lernen. Diplomatie muss stets der Primat des außenpolitischen Handelns bleiben.


Geschichte wiederholt sich nie!

„Angela Merkels Europapolitik und Chinas Vorgehen und Chinas Vorgehen im Pazifik lassen ahnen, dass sich jede Geschichte wiederholen kann – auch die schrecklichste.“, glaubt Jakob Augstein in seiner Kolumne auf Spiegel Online. Mit dieser Aussage beginnt er einen Artikel, der voller absurder Argumentationen ist. Denn schon die Behauptung „jede Geschichte kann sich wiederholen“ ist schlichtweg Unsinn. Die Menschheit entwickelt sich stets weiter und die Bedingungen heute sind nicht zu vergleichen mit denen 1914.

Augstein nimmt die Politik Chinas im Konflikt um die Sekuku Inseln und das Verhalten Deutschlands als Ausgangspunkte für mögliche neue Kriege, die ähnliche Ausmaße annehmen könnte, wie der Erste Weltkrieg. China, so schreibt er, ließe sich nämlich von der gleichen Verblendung leiten, die einst die Deutschen zugrunde richtete. Und auch die Deutschen hätten es nicht begriffen: „der Kontinent lässt sich nicht ungestraft dominieren. Weder von ihren Waffen noch von ihrer Wirtschaft glaubt er.“
Ignorieren wir an dieser Stelle mal „die Verblendung“ an der die Deutschen gelitten hätten. Über die Entstehung des Esten Weltkriegs lässt sich- und das ist (leider) die einzige Wahrheit in Augsteins Artikel- hervorragend in Chris Clarks neuem Buch „Sleepwalkers- How Europe went to war“ nachlesen.

Aber die These, die Deutschen wollen den Kontinent dominieren, ist natürlich völliger Unsinn. Jeder weiß in welcher schwierigen Rolle unser wirtschaftlich starkes Deutschland ist. Wir müssen, ja wir sollen der Leader in Europa sein. Wir wollen es aber nicht. Was wir wollen, ist das die europäischen Staaten, die momentan schwächeln, stark werden. Keinesfalls wollen wir, das alle so werden wir. Das wäre ganz furchtbar. Denn jeder, der schon mal mit seinen europäischen Nachbarn gesprochen hat, weiß, dass wir alle viel positive) voneinander lernen können. Und gerade das agonale, der ständige Wettkampf untereinander (der sich jetzt auf das ökonomische Feld verschoben hat) von dem Christian Meier in seinem schönen Buch „Kultur um der Freiheit Willen- Griechische Anfänge, Anfänge Europas” schreibt, ist das Element, das Europa über viele Jahrhunderte so bedeutend in der Welt gemacht hat. Augstein behauptet, dass die deutsche Rechthaberei in den Krieg geführt habe und ein „berückendes Augusterlebnis“ ausgelöst habe. Es wäre dem Autor an dieser Stelle zu empfehlen gewesen, wenigstens mal zu recherchieren, bevor er alte, von der Forschung längst massiv in Frage gestellte Märchen verbreitet. Denn das Bürgertum mag damals zwar von einer gewissen Kriegsbegeisterung erfasst worden sein. Das war aber nur eine Minderheit. Die Mehrheit der Deutschen lehnte den Krieg wohl ab. Denn besonders für die Landbevölkerung war er schlicht existenzbedrohend (Ein Blick in Wikipedia hätte dazu gereicht).

Augstein behauptet weiter, das ein großer Krieg für den Zeitgenossen damals genauso unwahrscheinlich gewesen wäre, wie er uns heute erscheint. Wieder irrt Augstein. Denn wir Europäer, die wir in einer Zeit unglaublichen Friedens aufgewachsen sind, sind die alten Zeiten nicht mehr gewohnt. Die Zeiten haben sich zum Glück verändert. Im Leben der Menschen im 19. Jahrhundert war Krieg aber keine Seltenheit. Machen wir uns klar, dass die Männer, die in den Ersten Weltkrieg zogen, die Erinnerung an Einigungskriege im Kopf hatten. Krieg war damals noch ein normales Mittel der Politik. Eine Sichtweise, die die beiden totalen Kriege des 20 Jahrhunderts veränderten. Die Franzosen kämpften mit der Erinnerung an den deutschen Siegfrieden von 1871, der Ihnen Gebiete entriss, und ihnen schwere Reparationen auflegte. Der Krieg 1914 war alles andere als unwahrscheinlich.

Die europäischen Staaten waren zudem nicht so stark miteinander verflochten, wie sie es heute sind. Es gab keinen EU, keine freien Grenzen und kein ERASMUS Programm, das es vielen Studenten ermöglicht, in anderen europäischen Gesellschaften zu leben. Das alles vergisst Augstein.

Vielmehr glaubt er, das, wer es wolle, düster in das kommende Jahr blicken könne: Wie von einer unheimlichen Mechanik werde die Geschichte in die eigene Wiederholung getrieben. Und wir würden ahnen, dass wir nicht in Sicherheit seien. Gottseidank wollen wir das aber nicht, Herr Augstein.


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